Jeff Koons

von Rainald Goetz — Eine szenische InstallationPremiere am 7. Dezember 2017Sammlung Philara, Birkenstraße 47 aSchauspiel

Über das Stück

Dass »Jeff Koons« ein Künstlerdrama ist, glaubt man schon am Titel zu erkennen. Koons aber kommt im Stück nicht vor. Der Amerikaner, flirrender Superstar des Kunstbetriebs, dient Goetz, dem fiebrig Besessenen der Literatur, als Hallraum, als Bezugssystem, mithilfe dessen Koordinaten sich ein Künstlerleben skizzieren lässt. »Es geht um Reden, Bilder, Melodien, es geht um Streit und Stimmigkeit. Es geht um Menschen, die was sagen, wollen, tun. Normal. Es geht um Schöpfung und Gebärden, um Dinge, Sachen und Ideen. Es geht um einen Augenblick, den es auch gibt, im Menschenleben kurz, zumindest manchmal gibt es das, es geht, so blöd das klingt, um Harmonie. Stimmt gar nicht, halt, stop, Lüge, falsch, im Gegenteil, es geht ums Nie der Harmonie.« (R. Goetz)

Und es geht um das Leben des Künstlers in der Kunst, im Atelier, im Wahn der Nächte in Clubs und Betten. In einer Sprache, die rhythmisch musikalisiert das Kaputte beschreibt und das Zärtliche und das Bizarre, das Komische und das Sehnsuchtsvolle im Künstlerleben – also Künstlerpech, Künstlerglück, Künstlerrausch, Farce und Selbstverschwendung.

Rainald Goetz, geboren 1954 in München, studierte Medizin und Geschichte und zählt seit seinem Debütroman »Irre« (1983) zu den prägenden und zugleich eigenwilligsten Autor:innen deutscher Sprache. Seine Bücher und Dramen sind sprachmächtige Gegenwartspanoramen; 2015 erhielt er die wichtigste Auszeichnung der deutschen Literatur, den Georg-Büchner-Preis.

Besetzung

Mit André Kacz­marc­zyk, Minna Wündrich, Jonas Hackmann, Marie Jensen, Yascha Finn Nolting, Florenze Schüssler
Gesang Amy Frega
Künstlerische Leitung André Kacz­marc­zyk, Felix Krakau
Kostüm Jenny Theisen
Musik Thomas Klein
Licht Edgar Auell
Dramaturgie Robert Koall

Trailer

Pressestimmen

Ein großes Wortfließen und Hirnströmen, durch und durch rhythmisiert mit vielen Stil- und Perspektivwechsel.
WDR Mosaik
Kaczmarczyk legt das Künstlerdrama offen: mehr noch, das romantische Künstlerschicksal und dessen lyrische Momente. Zwar kobolzt und wieselt er entertained umher und zieht eine Jerry-Lewis-Clownnerie ab. Um dann jedoch zu zeigen, dass Irre-Sein und Ekstase nur ein anderer Ausdruck sind für Verzweiflung und Verneinung. Am Ende steigt André Kaczmarczyk hinab in das »Bergwelt der Seele« (Goetz) und liefert die Offenbarung der Einsamkeit. Selbstversicherung wird zur Selbstbezichtigung. Der verhallende Schrei nach Kommunikation dürfte Rainald Goetz gefallen.
K.West
Irre, tolle Collage. Berührende Bilder entstehen, wenn in der Ferne in der großen Halle eine Kitschmadonna singt. Oder wenn am Schluss die Spieler sich nachdenklich zu einer Traube aneinanderkuscheln. »Die Kunst ist schon fertig – wir sind es nicht.«
Süddeutsche Zeitung
Die Sammlung Philara erweist sich als Glücksfall für das Schauspielhaus. Das Besondere an der von André Kaczmarczyk und Felix Kracke eingerichteten Theater-Installation ist die Einpassung in einen real existierenden Kunst-Raum.
Rheinische Post
Ein junges Team um das Ensemble-Mitglied André Kaczmarczyk hat »Jeff Koons« in einem privaten Museum als Parcours durch dessen Gegenwartskunstsammlung inszeniert, ahnungsvoll aber ein romantisches Künstlerdrama entdeckt und in erkenntnisklaren Momenten eine Liturgie der Melancholie zelebriert.
Nachtkritik