Tod eines Handlungs­reisenden

von Arthur Miller Deutsch von Volker Schlöndorff und Florian HopfPremiere am 18. November 2023Schauspielhaus, Kleines HausSchauspiel

Über das Stück

Willy Loman hat 40 Jahre lang als Handlungsreisender geschuftet – für seine Frau Linda, aber vor allem für seine Söhne Biff und Happy. Er lebt von der Illusion, ein bedeutender Mann zu sein. Seinem Sohn Biff hat Willy so lange eingeredet, ein Wunderkind zu sein, bis dieser es selbst glaubte. Doch dann fällt Biff durch eine wichtige Prüfung, bricht die Schule ab. 15 Jahre später ist er Mitte 30 und denkt, sein Leben vergeudet zu haben. Willy und Biff vereint der wirtschaftliche Misserfolg sowie die Hoffnung, dass der nächste Tag die Wende bringt. Stattdessen wird Willy entlassen und Biff zum Dieb – und auch Happy findet seinen Platz im Leben nicht. Die Familie droht zu zerbrechen, zermürbt durch Lebenslügen und jahrzehntelang angestaute Enttäuschung. Da fasst Willy Loman einen Plan. Zum letzten Mal steigt der Handlungsreisende in sein Auto.

Bei aller Tragik blickt Autor Arthur Miller mit Zartheit auf die Figuren. Volker Schlöndorff, der das Stück übersetzt hat, schreibt: »Arthur Millers Vater, ein Mantelfabrikant, machte Pleite und kam nie wieder auf die Beine, weil er die Schuld nur bei sich suchte und sich fortan als Versager sah. Diese Erfahrung nährt die tiefe Skepsis des Autors, deshalb reizt ihn das Komische an Willys sich widersprechenden Behauptungen, denn wer Traum und Wirklichkeit miteinander verwechselt, ist weniger tragisch als vielmehr grotesk. Unsere Sympathien gewinnt er dadurch, dass wir lachen, wenn er seinen eigenen Lügen und Illusionen auf den Leim geht.«

Besetzung

Willy Loman Thomas Wittmann
Bernard / Die Frau / Kellner Tabea Bettin
Ben / Charley / Howard Wagner / Kellner Thiemo Schwarz
Bühne und Video Maximilian Lindner
Kostüm Cátia Palminha
Licht Christian Schmidt
Dramaturgie Robert Koall

Dauer

2 Stunden — eine Pause

Trailer

Pressestimmen

Ein großer Coup ist das Bühnenbild von Maximilian Lindner. Das Sofa steht wie ein Bergmassiv da. Unglaublich, wie sich Thomas Wittmann als Willy Loman manchmal durch so eine Falte quetscht. Das ist auch körperlich eine Herausforderung und lädt das Ganze auf. Eine absolute Empfehlung. Ein Klassiker, der uns mehr zu erzählen hat also so mancher neue Stoff.
WDR 5 Scala, 01.02.2024
Loman (Thomas Wittmann), bis zuletzt im Anzug mit Weste und Krawatte unterwegs, bildet den Dreh- und Angelpunkt der Aufführung. Friederike Wagner spielt Lomans Ehefrau als einzigen moralischen Lichtblick in der Familientragödie. Eine sehenswerte Ensembleleistung.
Rheinische Post
Ein zeitloses, packendes Theatererlebnis. Mit einer beinah märchenhaften Realitäts-Überhöhung knüpft Regisseur Gerloff an seine Erfolgs-Serie in Düsseldorf an. Sebastian Tessenow haut auf den Putz: Sein körperbetontes Spiel und seine Ausbrüche überzeugen auch im Kampf mit dem jüngeren Bruder Happy, einem oberflächlichen, fleischigen Frauenhelden (überzeugend: Jonas F. Leonhardi). Thomas Wittmann schlägt leise, versunkene Töne an, sobald Willy im Traum mit seinem erfolgreichen Bruder spricht. Aufgekratzt und extrovertiert indes, wenn er seiner Familie ständig versichert und sich einredet: »Alles wird gut. Morgen mache ich wieder den großen Deal.« Eine packende, wieder aktuelle und mit starken Schauspielerinnen und Schauspielern besetzte Familientragödie über die Folgen sozialen Abstiegs.
Westdeutsche Zeitung
Regisseur Robert Gerloff kann in seiner gelungenen Inszenierung auf hervorragende Schauspieler:innen bauen: Friederike Wagner ist als Ehefrau Linda ganz die fürsorgliche, Probleme schönredende Mutter, Thomas Wittmann wechselt als Willy Loman immer wieder von Träumereien ansatzlos in den lospolternden autoritären Vater. Jonas Friedrich Leonhardi als Sohn Happy ist mild hyperaktiv und täuscht den agilen Frauenhelden vor – und ist doch der »Assistent vom Assistenten«, so Bruder Biff. Den zeichnet Sebastian Tessenow mit aller gebotenen Dramatik. Wunderbar in all den wechselnden kleinen Rollen ist Tabea Bettin mal als Verführerin mal als Kind mal als Kellnerin. Und ebenso glänzt Thiemo Schwarz als Chef oder als Charly im treffsicheren Bühnenbild von Maximilian Lindner. Langer, langer Beifall zur Premiere im ausverkauften Haus.
Neue Düsseldorfer Online Zeitung