Leben des Galilei

von Bertolt Brecht — mit Musik von Hanns EislerPremiere am 16. Januar 2020Schauspielhaus, Großes HausSchauspiel

Termine

https://www.dhaus.de/ Düsseldorfer Schauspielhaus Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf
Sa, 09.03. / 19:30 – 21:30
Schauspiel
von Bertolt Brecht — mit Musik von Hanns Eisler Regie: Lars-Ole Walburg
Schauspielhaus, Großes Haus
Wir veröffentlichen regelmäßig neue Termine.

Über das Stück

Es geht um die Wahrheit. Wann sonst sollte man davon handeln als heute, wo allerorten gelogen wird? Davon erzählt Brechts »Leben des Galilei«. Vom Physiker, der als Erster mit eigenen Augen sieht, dass die Erde nur ein Planet unter vielen ist. Der den Himmel gottverlassen vorfindet. Und der mit dieser Erkenntnis an der Macht der Lügner und Leugner der Kirche scheitert. Brecht fragt: Wie weit kann oder muss ich persönlich gehen, um die Wahrheit zu verteidigen, und welchen Preis bin ich bereit, dafür zu zahlen? Und welche Rolle kommt einem Fortschritt denn überhaupt zu, wenn er dazu angetan ist, Vernichtung und Zerstörung über die Menschheit zu bringen? Brechts Fragen sind seit der Entstehung des Stücks 1939 nicht gelöst worden. Die Wissenschaft steht noch immer regelmäßig vor einem Dilemma, in dem Machbarkeit, Ethik und Verantwortung nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Und gleichzeitig hat die Lüge wieder Hochkonjunktur, sind die Spalter, die Zündler tagtäglich unterwegs.

Regie führt Lars-Ole Walburg, der als Intendant bis 2019 das Schauspiel Hannover leitete. Die Titelrolle spielt Burghart Klaußner, der 2019 in Heinrich Breloers Dokudrama »Brecht« als der ältere Brecht zu sehen war und am Schauspielhaus bereits in »Heisenberg« und als Shylock im »Kaufmann von Venedig« auf der Bühne stand.

Besetzung

Galileo Galilei Burghart Klaußner
Frau Sarti, Galileis Haushälterin, Andreas Mutter / Zug der Pestbeschwörer / Gelehrter im Collegium Romanum / Vanni, ein Eisengießer Rosa Enskat
Virginia, Galileis Tochter / Die jüngere Hofdame / Gelehrter im Collegium Romanum / Zug der Pestbeschwörer Cennet Rüya Voß
Der Kardinal Inquisitor Tabea Bettin
Andrea Sarti / Gelehrter im Collegium Romanum / Ein geistlicher Sekretär Thomas Kitsche
Ludovico Marsili, ein reicher junger Mann / Cosmo de Medici, Großherzog von Florenz / Zug der Pestbeschwörer / Gelehrter im Collegium Romanum Jonas Friedrich Leon­hardi
Der Mathematiker / Der kleine Mönch / Gelehrter im Collegium Romanum / Ein Beamter Glenn Goltz
Sagredo, Galileis Freund / Der Theologe / Gelehrter im Collegium Romanum / Kardinal Bellarmin / Herr Gaffone, Rektor der Universität Pisa Janko Kahle
Der Kurator der Universität Padua, Herr Priuli / Der Philosoph / Kardinal Barberini, später Papst Urban VIII. / Gelehrter im Collegium Romanum / Der Balladensänger Thomas Wittmann
Bühne Olaf Altmann
Kostüm Ellen Hofmann
Dramaturgie Robert Koall
Musikalische Einrichtung Matthias Herrmann

Dauer

2 Stunde — keine Pause

Trailer

Pressestimmen

In aller Ruhe und Souveränität, ohne je zu forcieren, selbstbewusst und liebenswert, ist dieser Galileo Galilei in der Gestalt des schlicht und heutig gekleideten Klaußner kein Mensch wie du und ich – er ist uns überlegen. Und doch ist auch er auf die Milch angewiesen, die der Milchmann bringt oder auch nicht, und auf die Gunst seiner mürrischen Haushälterin, Frau Sarti (Rosa Enskat). Deren Sohn Andrea, auffallend pfiffig im Kleine-Jungs-Kostüm gespielt von Lea Ruckpaul, verkörpert die aufgeklärte Zukunft, in der selbst der Vatikan eingesehen hat, dass die Erde und darauf der Stuhl Petri leider Gottes nicht das Zentrum der Schöpfung bilden. Klaußner jedenfalls sieht man gerne zu und denkt sich womöglich: Dafür ist das Theater gemacht.
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2020
Burghart Klaußner agiert gewohnt hochklassig, lässt seine Pointen trocken schnalzen und packt viel Leben und Leid zwischen die Zeilen. Lustvoll aalt sich Tabea Bettin in ihrem Text, entstellt absichtsvoll Sätze zu Waffen und Konsonanten zu Raubtierlauten, verführt so zur Unterwerfung unter ein entpersonalisiertes System. Dabei nutzt Klaußner jede kleine Chance, seiner Figur im Zusammenspiel neue Seiten abzugewinnen, etwa im Dialog mit Janko Kahles tastender Empathie oder Rosa Enskats verknoteter Gradheit.
Die deutsche Bühne, 17.01.2020
Das Stück von der Abschaffung des Himmels erzählt von einem Forscher, der sein Wissen am Ende unterdrückt, um an den Fleischtöpfen zu bleiben. Wie er selbst vom Suchenden zum Gegenstand wird, illustriert Olaf Altmanns Bühne clever. Burghart Klaußner wählt einen Ton des kammerspiels, bürgerlich, scheu, nach innen gerichtet jener, der sonst das All erforscht. Sein Spiel ist warm, aber doch klug distanziert.
Neue Rhein Zeitung, 20.01.2020
Klaußner beleuchtet die vielen Facetten des Forschers: Er quält sich mit dem Widerruf, hat Panik vor möglichen Konsequenzen seines Widerrufs für andere Wissenschaftler. Jubel für die Darsteller.
Westdeutsche Zeitung, 20.01.2020
Klaußner zeichnet einen menschlichen Galilei, einen sturen Forscher und prächtigen Genussmenschen, keinen Vernunftsapostel, sondern einen, der der Verlockung, sich seines Geistes zu bedienen, nicht widerstehen kann. Erst als ihm die Inquisition ihre Folterinstrumente vorführt, ist ihm das Leben lieber als die Wissenschaft. Galilei widerruft. Er muss die Hosen runterlassen. Danach ist er ein gebrochener Mann. Walburg setzt in seiner Inszenierung auf konzentriertes Schauspielertheater.
Rheinische Post, 20.01.2020
Was das grandiose Ensemble daraus macht, ist großartiges Worttheater um einen mitreißend präsenten Burghart Klaußner in der Hauptrolle.
Theater Pur, 18.01.2020