Frankenstein

von Mary Shelley — in einer Fassung von Niall Potter und Katharina RöschDeutsch von Alexander PechmannPremiere am 14. Mai 2022Schauspielhaus, UnterhausSchauspiel

Über das Stück

»Es war in einer tristen Novembernacht, als ich die Vollendung meiner mühseligen Arbeit vor mir sah. Meine Kerze war beinahe heruntergebrannt, da sah ich im Schimmer des gerade erlöschenden Lichts, wie sich das trübe gelbe Auge der Kreatur öffnete.« Der Titel des Romans »Frankenstein«, den die Autorin Mary Shelley 1818 als 19-Jährige verfasste und mit dem sie später weltberühmt wurde, löst bei vielen Menschen eine Assoziationskette aus: Begonnen beim Studenten Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschaffen will und ein Monster kreiert, das aus Leichenteilen zusammengenäht ist. Endend beim Rachefeldzug ebendieses Monster, das droht, Frankensteins Familie und womöglich gar die komplette Menschheit zu vernichten. So zumindest lautet die eine Lesart der Geschichte. Die andere, unter zahlreichen Adaptionen verschüttete Lesart erzählt von einem Wesen, dessen Verletzlichkeit nicht mit seiner groben Gestalt übereinstimmt und das in eine Welt geworfen wird, in der es vom ersten Augenschlag an nur Abweisung erlebt. Auch Frankenstein, der ein Freund, Vorbild, Lehrer oder Vater hätte sein können, ergreift vor seiner Schöpfung die Flucht und erweist sich damit als größter Feind.

Was lässt den Menschen so sicher sein, dass er über alle anderen Lebewesen erhaben ist, wenn zur DNA seiner Menschlichkeit auch die Eigenschaft gehört, andere auszugrenzen, zu unterwerfen und zu hassen? Wer Monster und wer Mensch, Herr oder Knecht, Schöpfer oder Geschöpf ist, wird im Angesicht von Viktor Frankenstein und seiner Kreatur neu entschieden. Im Unterhaus des Düsseldorfer Schauspielhauses begeben sich Joscha Baltha und Annina Hunziker auf die Spuren dieser schicksalhaften Beziehung.

Besetzung

Mit Joscha Baltha, Annina Hunziker
Regie Niall Potter
Bühne, Kostüm Paulina Barreiro
Dramaturgie Katharina Rösch

Dauer

1 Stunde 15 Minuten — keine Pause

Trailer

Pressestimmen

Eine geglückte und sehenswerte Premiere über ein Menschheitsdrama. […] Es ist die große Leistung dieses Stücks, das wahrhaft monströse Thema auf die kleine, intime Bühne zu bringen.
Rheinische Post, 16.05.2022