Chronik
Junges Schauspiel
Vom Gründgens-Platz zur Münsterstraße bis ins Central – und hinaus in die Welt
50 Jahre Junges Schauspiel — Eine Chronik von Stefan Fischer-Fels, künstlerischer Leiter des Jungen Schauspiels
Juni 2025: Beim Westwind-Theaterfestival feiert das Kreativquartier »Worringer Platz« ein großes Straßenfest – das Junge Schauspiel als zukünftiger »Nachbar« mittendrin. – September 2025: das Junge Schauspiel eröffnet seine neue Spielstätte Central im Bahnhofsviertel mit »Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen« in der Regie von Robert Gerloff. – Januar 2026: Das Junge Schauspiel reist zum Gastspiel nach Czernowitz in der Ukraine. Wir spielen »Blindekuh mit dem Tod« im Kriegsgebiet. – April 2026: Beim internationalen Jugendkongress »Future (t)here« feiern 50 Jugendliche aus fünf europäischen Städten eine Woche lang ein Begegnungsfest. Das Junge Schauspiel steht nun im Zentrum der Stadt, ist international vernetzt. Düsseldorf liebt sein Kinder- und Jugendtheater, und das schon seit dem Jahr 1976. War das schon immer so, was gab es vor 1976 und wie hat alles begonnen? Eine Spurensuche führt zurück in das Düsseldorf der 1960er Jahre.
Das Junge Schauspiel in der Münsterstraße 446.
Foto: Melanie Zanin
Foto: Melanie Zanin
I. Theater für Junges Publikum unter den Intendanten Stroux und Brecht
Auf dem Weg zu einem neuen Theaterbau am Gustaf-Gründgens-Platz hatte sich in den wildbewegten 1960ern der damalige Intendant Karl-Heinz Stroux mit seinen Dramaturgen, darunter Günther Beelitz und Dieter Forte, die Frage gestellt, ob es für Kinder und Jugendliche noch etwas anderes geben könnte als den »Wilhelm Tell« für Gymnasiast:innen. Er beauftragte seine Dramaturgie, zusammen mit dem städtischen Schulamt und der engagierten Schulrätin Ruth Fendel, für das neue Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz ein Programm für Kinder zu entwickeln. In der Spielzeit 1970/71 war es dann soweit. Im Namen des Schulamtes schrieb Ruth Fendel an alle Schulkinder der Klassen 1 bis 8: »Das Theater ist nämlich keine Einrichtung, die nur für Erwachsene vorhanden ist. Das Theater, über das wir Euch schreiben, ist Euer Theater, mit Stücken für Euch und mit Schauspielern, die nicht nur für Euch spielen, sondern sich auch mit Euch unterhalten möchten. (…) Wir haben einige schöne Theaterstücke ausgesucht. Mit dem ersten fangen wir schon bald, Anfang Oktober, an. Es heißt ‚Stokkerlok und Milllipilli‘ und ist … aber nein, das werde ich noch nicht verraten. Komm, schau es Dir an!«
Das erste Kinderstück wurde im Kleinen Haus am Gründgens-Platz vom Ensemble des Schauspielhauses gespielt. 1972 nahm der neue Intendant Ulrich Brecht den Gedanken auf und zeigte zum ersten Mal Kinderstücke zur Weihnachtszeit auf der Großen Bühne. Legendär geworden ist die Inszenierung »Klaus Klettermaus und die anderen Tiere im Hackebackewald« (1972), ein Stück, das 2002 in einer »kleinen« Inszenierung von Friederike Betz mit dem Kinderklub des Kindertheaters noch einmal zu einem großen Erfolg geführt wurde. Von einem ganzjährig spielenden Kindertheater aber war die bestehende Konstruktion noch weit entfernt.
Das erste Kinderstück wurde im Kleinen Haus am Gründgens-Platz vom Ensemble des Schauspielhauses gespielt. 1972 nahm der neue Intendant Ulrich Brecht den Gedanken auf und zeigte zum ersten Mal Kinderstücke zur Weihnachtszeit auf der Großen Bühne. Legendär geworden ist die Inszenierung »Klaus Klettermaus und die anderen Tiere im Hackebackewald« (1972), ein Stück, das 2002 in einer »kleinen« Inszenierung von Friederike Betz mit dem Kinderklub des Kindertheaters noch einmal zu einem großen Erfolg geführt wurde. Von einem ganzjährig spielenden Kindertheater aber war die bestehende Konstruktion noch weit entfernt.
II: Gründung des eigenständigen Kinder- und Jugendtheaters
Günther Beelitz, der unter Stroux die ersten Gedanken für ein Kindertheater skizziert hatte, machte nun, als er 1976 Intendant wurde, ernst mit einem Kindertheater am Düsseldorfer Schauspielhaus. Es sollte nicht nur (aber auch), wie er beschrieb, aus »Alibi-Weihnachtsmärchen« bestehen und nicht auf ein »Mini-Erwachsenentheater« reduziert sein, sondern eigenen, kindgerechten Regeln folgen. Er beauftragte Barbara Oertel, gebürtige Leipzigerin sowie ehemalige Wiener Studienkollegin und zu der Zeit noch Chefdramaturgin am Staatstheater Saarbrücken, mit der Gründung einer eigenständigen Sparte »Kinder- und Jugendtheater am Düsseldorfer Schauspielhaus«. Barbara Oertel hatte bereits an früheren Wirkungsstätten Konzerte und Aufführungen für Kinder organisiert. Sie hatte eine Vision und ein modernes Bild von zeitgenössischem Theater für Kinder, das Sprache, Bewegung, Musik, neue Räume und ungewöhnliche Materialien einschloss. Sie entwickelte »Spielstunden nach Noten«, große musikalische Märchenstücke und ein »assoziatives Bildertheater«, im Jahr 1987 sogar in Koproduktion mit der Deutschen Oper am Rhein.
Barbara Oertel träumte von einem »Theater zum Anfassen«, sowohl zum Schauen als auch zum Mitmachen. Sie veranstaltete Formate wie »Spiele, die man nicht kaufen kann« mit dem Ensemble. Und sie hatte – das bestätigen alle, die sie erlebt haben – eine unbändige Energie: »Sie war ein Wirbelwind der Phantasie«, schrieb Günther Beelitz. Ideen und Konzepte gab es also genug. Nur keine Räume. Das neu gegründete »Kindertheater« musste um jeden Termin im Kleinen oder Großen Haus kämpfen, meistens wurde es abgewiesen: Geht nicht. Gibt‘s nicht. Tut uns leid. Es fehlte an allem: Personal. Bühnen. Probebühnen. Um arbeiten zu können, wurde als Kompromiss zeitweilig von 8 bis 12 Uhr geprobt, bevor die nächste »Schicht« probte, immer in Konkurrenz mit dem Abendspielplan des »Erwachsenentheaters«. Barbara kämpfte hartnäckig und bezeichnete sich selbstironisch als »Schweineschwänzchen des Erwachsenentheaters«.
Sie entschied sich, vorerst auszuweichen, denn: Wer kein Haus hat, der geht in die Stadt. Ein Zelt musste also her. Es wurde auf den Gründgens-Platz gestellt, damit Kindertheater stattfinden konnte. Die Zuschauer:innen saßen auf umgestülpten Blecheimern. Auch wurde mobil in Jugendfreizeiteinrichtungen, Turnhallen, Messehallen, Gemeindesälen gespielt. 1977 stieß die Theaterpädagogin Ute Kessler dazu, die dem Haus bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 treu blieb, ab 1993 vorrangig dem Kindertheater zugeordnet. Es ging bergauf, auch dank der vielen engagierten Lehrer:innen. Aber der Spielort Gründgens-Platz war, bei allem Enthusiasmus und trotz zentraler Lage, kein Standort für alle Zeiten. Die Suche nach einem geeigneten Ort für das erfolgreiche »Modell Kindertheater« begann Ende der 1970er Jahre.
Barbara Oertel träumte von einem »Theater zum Anfassen«, sowohl zum Schauen als auch zum Mitmachen. Sie veranstaltete Formate wie »Spiele, die man nicht kaufen kann« mit dem Ensemble. Und sie hatte – das bestätigen alle, die sie erlebt haben – eine unbändige Energie: »Sie war ein Wirbelwind der Phantasie«, schrieb Günther Beelitz. Ideen und Konzepte gab es also genug. Nur keine Räume. Das neu gegründete »Kindertheater« musste um jeden Termin im Kleinen oder Großen Haus kämpfen, meistens wurde es abgewiesen: Geht nicht. Gibt‘s nicht. Tut uns leid. Es fehlte an allem: Personal. Bühnen. Probebühnen. Um arbeiten zu können, wurde als Kompromiss zeitweilig von 8 bis 12 Uhr geprobt, bevor die nächste »Schicht« probte, immer in Konkurrenz mit dem Abendspielplan des »Erwachsenentheaters«. Barbara kämpfte hartnäckig und bezeichnete sich selbstironisch als »Schweineschwänzchen des Erwachsenentheaters«.
Sie entschied sich, vorerst auszuweichen, denn: Wer kein Haus hat, der geht in die Stadt. Ein Zelt musste also her. Es wurde auf den Gründgens-Platz gestellt, damit Kindertheater stattfinden konnte. Die Zuschauer:innen saßen auf umgestülpten Blecheimern. Auch wurde mobil in Jugendfreizeiteinrichtungen, Turnhallen, Messehallen, Gemeindesälen gespielt. 1977 stieß die Theaterpädagogin Ute Kessler dazu, die dem Haus bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 treu blieb, ab 1993 vorrangig dem Kindertheater zugeordnet. Es ging bergauf, auch dank der vielen engagierten Lehrer:innen. Aber der Spielort Gründgens-Platz war, bei allem Enthusiasmus und trotz zentraler Lage, kein Standort für alle Zeiten. Die Suche nach einem geeigneten Ort für das erfolgreiche »Modell Kindertheater« begann Ende der 1970er Jahre.
Foto: Melanie Zanin
III: Aufbruch vom Gründgens-Platz aus
In den 1970er Jahren verfolgte das nordrhein-westfälische Ministerium für Städtebau, insbesondere Staatssekretär Karl Ganser, das Ziel, ehemalige Industriestätten neu zu beleben. Die alte Fabrik Schwietzke, weit draußen im Nordosten von Düsseldorf, war in Konkurs gegangen. Seitdem verwahrloste das Gebäude, wurde nur gelegentlich von Punkbands oder freien Künstler:innengruppen in Beschlag genommen. Anfang der 1980er entschieden Stadt und Land, den Wohnungsbau im Stadtteil Rath/Mörsenbroich zu entwickeln und die Industriebrache kulturell zu nutzen. Erste Überlegungen, das Kindertheater dort unterzubringen, machten die Runde in Politik und Verwaltung. Damals entstanden viele Theaterhäuser für Kinder an den Rändern der Städte, denn man ging davon aus, dass die organisatorischen Voraussetzungen für Theaterbesuche durch Schulen – insbesondere durch Bustransfers – auch in Rath/ Mörsenbroich gegeben seien.
Und schon 1980 verließ das Kindertheater sein »Mutterhaus« im Zentrum Düsseldorfs und bezog die provisorisch zum Theater umgebaute ehemalige Betriebskantine der Fabrik Schwietzke, die damals auf dem heutigen Vorplatz des Jungen Schauspiels stand. Maximal 220 Plätze standen im ersten Stock zur Verfügung, das Dach musste bei Sonnenschein mit einem Gartenschlauch gewässert werden, um die unerträgliche Hitze im Raum zu lindern. Die Bühnenbilder mussten mit einem Kran durch die Fenster angeliefert werden, die Schauspieler:innen bei Sturm und Regen über eine Eisentreppe im Freien zu ihren Auftritten gelangen. Und die Toiletten für das Publikum befanden sich in Räumen unmittelbar hinter der Bühne. So entstand die berühmt-berüchtigte Düsseldorfer »Pinkelansage« vor jeder Vorstellung: Einlass war 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, damit alle Kinder noch rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn auf die Toilette gehen konnten. Während der Vorstellung hätten sie über die Bühne laufen müssen.»Kikerikiste« von Paul Maar war die erste Münsterstraßen-Inszenierung am 24. August 1980.
Nebenbei gründete Barbara Oertel auch das Jugendtheater, denn anfangs spielte das Kindertheater nur für die 6- bis 14-Jährigen (1. bis 8. Klasse). Mit der Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit und gesellschaftspolitischen Forderungen zu Beginn der 1980er – „Kultur / Theater für alle“ – wurden auch jugendspezifische Themen und Stücke im Theater aufgegriffen. In Düsseldorf machte am 13. Januar 1982 der Autor und Regisseur Peter Heusch mit der Uraufführung »Ich heiße Irene Haller – und Du?« für Jugendliche ab 13 Jahren den Anfang, eine Aufführung, die sich gezielt auch an bildungsfernere Schüler:innen richtete. Ein Jahr später feierte eine Neubearbeitung von »Antigone – wer ist das?« für Jugendliche Premiere in der Münsterstraße.
An einem ihrer ersten Tage an ihrem neuen Arbeitsplatz schaute Barbara durch das Fenster direkt ins »Allerheiligste« der Fabrik Schwietzke: die Montagehalle. »Da will ich rein!« rief sie und arbeitete unermüdlich weiter an ihrem Traum. Zuerst allerdings musste sie heftige Angriffe abwehren. In die erste Spielzeit von Intendant Beelitz fällt auch die Beinahe-Schließung der kleinen Abteilung. Denn auch Düsseldorf war wie viele andere Kommunen auch nicht von der Veränderung der Arbeitswelt und der damit verbundenen Strukturkrise der Wirtschaft des Ruhrgebiets verschont geblieben. Die Gewerbe- und die Einkommenssteuer sprudelte nicht wie früher. Düsseldorf musste heftig sparen, das Schauspielhaus war davon nicht ausgenommen.
Zum drohenden finanziellen Aus kam noch der lange geplante und nun anstehende Abriss der alten Fabrik. Sollte das Rad zurückgedreht werden? Kindertheater wieder als »Schweineschwänzchen« am Gründgens-Platz stattfinden oder gar gänzlich beendet werden? Barbara mobilisierte alle wohlmeinenden Kräfte der Stadt. Beelitz unterstützte sie. Es gab inzwischen zahllose Fans des Kindertheaters, Eltern, Lehrer:innen, Kinder. »Ich finde es sehr schade, wenn ihr Theater zu machen würde. Denn wir spielen in der Schule auch Theater. Und ihr Theater ist das schönste hier in Düsseldorf«, brachte ein Schüler der Grundschule Rather Kreuzweg die Sorgen um‘s Kindertheater auf den Punkt.
Der Verein der Freunde und Förderer des Kinder- und Jugendtheaters am Düsseldorfer Schauspielhaus gründete sich, Unterschriften wurden gesammelt, Lobbyarbeit geleistet und Öffentlichkeit mobilisiert. 1985 fand das »1. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW« in Düsseldorf statt, das heute unter dem Namen »Westwind« einen bedeutenden Platz in der deutschsprachigen Theaterlandschaft einnimmt, und versammelte erstmals die junge Theaterszene aus ganz NRW in Düsseldorf.
Und schon 1980 verließ das Kindertheater sein »Mutterhaus« im Zentrum Düsseldorfs und bezog die provisorisch zum Theater umgebaute ehemalige Betriebskantine der Fabrik Schwietzke, die damals auf dem heutigen Vorplatz des Jungen Schauspiels stand. Maximal 220 Plätze standen im ersten Stock zur Verfügung, das Dach musste bei Sonnenschein mit einem Gartenschlauch gewässert werden, um die unerträgliche Hitze im Raum zu lindern. Die Bühnenbilder mussten mit einem Kran durch die Fenster angeliefert werden, die Schauspieler:innen bei Sturm und Regen über eine Eisentreppe im Freien zu ihren Auftritten gelangen. Und die Toiletten für das Publikum befanden sich in Räumen unmittelbar hinter der Bühne. So entstand die berühmt-berüchtigte Düsseldorfer »Pinkelansage« vor jeder Vorstellung: Einlass war 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn, damit alle Kinder noch rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn auf die Toilette gehen konnten. Während der Vorstellung hätten sie über die Bühne laufen müssen.»Kikerikiste« von Paul Maar war die erste Münsterstraßen-Inszenierung am 24. August 1980.
Nebenbei gründete Barbara Oertel auch das Jugendtheater, denn anfangs spielte das Kindertheater nur für die 6- bis 14-Jährigen (1. bis 8. Klasse). Mit der Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit und gesellschaftspolitischen Forderungen zu Beginn der 1980er – „Kultur / Theater für alle“ – wurden auch jugendspezifische Themen und Stücke im Theater aufgegriffen. In Düsseldorf machte am 13. Januar 1982 der Autor und Regisseur Peter Heusch mit der Uraufführung »Ich heiße Irene Haller – und Du?« für Jugendliche ab 13 Jahren den Anfang, eine Aufführung, die sich gezielt auch an bildungsfernere Schüler:innen richtete. Ein Jahr später feierte eine Neubearbeitung von »Antigone – wer ist das?« für Jugendliche Premiere in der Münsterstraße.
An einem ihrer ersten Tage an ihrem neuen Arbeitsplatz schaute Barbara durch das Fenster direkt ins »Allerheiligste« der Fabrik Schwietzke: die Montagehalle. »Da will ich rein!« rief sie und arbeitete unermüdlich weiter an ihrem Traum. Zuerst allerdings musste sie heftige Angriffe abwehren. In die erste Spielzeit von Intendant Beelitz fällt auch die Beinahe-Schließung der kleinen Abteilung. Denn auch Düsseldorf war wie viele andere Kommunen auch nicht von der Veränderung der Arbeitswelt und der damit verbundenen Strukturkrise der Wirtschaft des Ruhrgebiets verschont geblieben. Die Gewerbe- und die Einkommenssteuer sprudelte nicht wie früher. Düsseldorf musste heftig sparen, das Schauspielhaus war davon nicht ausgenommen.
Zum drohenden finanziellen Aus kam noch der lange geplante und nun anstehende Abriss der alten Fabrik. Sollte das Rad zurückgedreht werden? Kindertheater wieder als »Schweineschwänzchen« am Gründgens-Platz stattfinden oder gar gänzlich beendet werden? Barbara mobilisierte alle wohlmeinenden Kräfte der Stadt. Beelitz unterstützte sie. Es gab inzwischen zahllose Fans des Kindertheaters, Eltern, Lehrer:innen, Kinder. »Ich finde es sehr schade, wenn ihr Theater zu machen würde. Denn wir spielen in der Schule auch Theater. Und ihr Theater ist das schönste hier in Düsseldorf«, brachte ein Schüler der Grundschule Rather Kreuzweg die Sorgen um‘s Kindertheater auf den Punkt.
Der Verein der Freunde und Förderer des Kinder- und Jugendtheaters am Düsseldorfer Schauspielhaus gründete sich, Unterschriften wurden gesammelt, Lobbyarbeit geleistet und Öffentlichkeit mobilisiert. 1985 fand das »1. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW« in Düsseldorf statt, das heute unter dem Namen »Westwind« einen bedeutenden Platz in der deutschsprachigen Theaterlandschaft einnimmt, und versammelte erstmals die junge Theaterszene aus ganz NRW in Düsseldorf.
Auf dem Bild: Die neue Spielstätte Münsterstraße 446
Foto: Theatermuseum
Foto: Theatermuseum
IV: Start in der Spielstätte Münsterstraße / Karl-Röttger-Platz 1
Inzwischen war Volker Canaris Intendant des Schauspielhauses geworden. Unter seiner Leitung kam es zum großen »Wunder«, dem Theater(neu)bau und dem Umzug in die Fabrikhalle an der Münsterstraße. 1988, zeitgleich mit den Veranstaltungen zur 700-Jahr-Feier von Düsseldorf, beeindruckte das Kindertheater zunächst einmal die Vertreter:innen der Stadt mit einer Demonstration vor dem Schauspielhaus auf dem Gründgens-Platz: Angeführt von einem durch Kaufhof gesponserten 34 Meter langen »Lindwurm« traten viele, auch prominente Kämpfer:innen für den Erhalt, sogar für den Neubau des Kindertheaters an. Barbara Oertel hielt Vorträge über bessere Bedingungen für ihr Kindertheater und forderte für Kinder und Jugendliche die gleiche Qualität, »wie man sie ganz selbstverständlich jedem anderen Kulturinstitut in der Landeshauptstadt zubilligt. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass in Sachen Kultur für Kinder und Jugendliche immer ‚viel weniger‘ als für Erwachsene reichen soll«.
Und dann hatte Düsseldorf, hatte Barbara ihre ganz besondere Kindertheater-»Wende« errungen. 1989 war es soweit: Die Pläne für den Ausbau der Fabrik Schwietzke waren fertig, die Betriebskantine wurde abgerissen. Das Kindertheater spielte gerade wieder heimatlos etwa in den Pavillons der Bundesgartenschau in Düsseldorf, dort, wo heute das AKKI agiert.1993 eröffnete endlich das eigene Theater am Karl-Röttger-Platz 1* bzw. Münsterstraße 446. Was für ein Fest, was für eine Freude! Im Übrigen handelte sich Barbara Oertel gleich den nächsten Ärger ein, als sie den Namen »Kindertheater« infrage stellte: Sie argumentierte, dass viele immer noch dächten, dort würden Kinder spielen. Und Jugendliche würden nicht in ein Kindertheater gehen. Ausnahmsweise setzte sich Barbara Oertel in diesem Punkt nicht durch. Es blieb vorerst beim Namen »Kinder- und Jugendtheater am Düsseldorfer Schauspielhaus«. Die gleiche Diskussion hatten wir unter der damaligen Intendantin Amélie Niermeyer im Jahr 2006. Dies führte zur Umbenennung in »Junges Schauspielhaus«. Programmatisch schrieb Barbara Oertel zum Start an der Münsterstraße: »Wir wollen junge Menschen auf dem schwierigen Weg begleiten, erwachsen zu werden, sich in dieser Welt einzurichten und eigene Utopien zu suchen – nicht mit Rezepten, sondern mit Theatergeschichten, die herausfordern zu eigenen Fragen … und Antworten.«
Und dann hatte Düsseldorf, hatte Barbara ihre ganz besondere Kindertheater-»Wende« errungen. 1989 war es soweit: Die Pläne für den Ausbau der Fabrik Schwietzke waren fertig, die Betriebskantine wurde abgerissen. Das Kindertheater spielte gerade wieder heimatlos etwa in den Pavillons der Bundesgartenschau in Düsseldorf, dort, wo heute das AKKI agiert.1993 eröffnete endlich das eigene Theater am Karl-Röttger-Platz 1* bzw. Münsterstraße 446. Was für ein Fest, was für eine Freude! Im Übrigen handelte sich Barbara Oertel gleich den nächsten Ärger ein, als sie den Namen »Kindertheater« infrage stellte: Sie argumentierte, dass viele immer noch dächten, dort würden Kinder spielen. Und Jugendliche würden nicht in ein Kindertheater gehen. Ausnahmsweise setzte sich Barbara Oertel in diesem Punkt nicht durch. Es blieb vorerst beim Namen »Kinder- und Jugendtheater am Düsseldorfer Schauspielhaus«. Die gleiche Diskussion hatten wir unter der damaligen Intendantin Amélie Niermeyer im Jahr 2006. Dies führte zur Umbenennung in »Junges Schauspielhaus«. Programmatisch schrieb Barbara Oertel zum Start an der Münsterstraße: »Wir wollen junge Menschen auf dem schwierigen Weg begleiten, erwachsen zu werden, sich in dieser Welt einzurichten und eigene Utopien zu suchen – nicht mit Rezepten, sondern mit Theatergeschichten, die herausfordern zu eigenen Fragen … und Antworten.«
Auf dem Bild: Westside Story 1994
Foto: Bernstein
Foto: Bernstein
V: In Riesenschritten von 1993 bis 2020
Seit 1993 besteht ein Kinder- und Jugendtheater als eigenständige Säule mit eigener Spielstätte in der Münsterstraße 446. Überraschend und viel zu früh starb Barbara Oertel im Jahr 2002. Es folgte eine Interimsspielzeit unter Ute Kessler. Und von 2003 bis 2011 ein Neustart unter mir, Stefan Fischer-Fels, mit den Schwerpunkten Autor:innen- und Uraufführungstheater unter der Überschrift: »Magischer Realismus«, mit der Umstellung von Ensuite- auf Repertoire-Theater, mit der Erweiterung des Ensembles und des künstlerischen Stabes in den Intendanzen Anna Badora und Amelie Niermeyer. Als ich 2011 die Leitung des Grips-Theaters in Berlin antrete, übernehmen zuerst Barbara Kantel (2011–2014) und danach Christof Seeger-Zurmühlen (2014–2016) die Geschicke des Jungen Schauspielhauses, wie es seit 2006 heißt.
Auf dem Bild: Helden für einen Tag
Foto: Rothweiler
Foto: Rothweiler
Mit Beginn der Intendanz von Wilfried Schulz kehre ich 2016 als künstlerischer Leiter nach Düsseldorf zurück. Das Junge Schauspielhaus heißt jetzt Junges Schauspiel. Der leicht veränderte neue Name betont, dass das Junge Schauspiel nicht das Schauspielhaus ist (das steht am Gustaf-Gründgens-Platz), auch nicht nur angedockt, sondern eine starke und profilierte eigenständige Sparte: Das Kompetenzzentrum des Düsseldorfer Schauspielhauses für Theater für Kinder, für Jugendliche und für alle Generationen. Der Gedanke »Wir sind EIN Haus« leitet die gemeinsame Arbeit unter dem Dach des D’haus.
Die Bedeutung eines Kinder- und Jugendtheaters als Treffpunkt der Generationen, als Ort der friedlichen Auseinandersetzung und der Orientierung, als Schule der Empathie, nimmt zu in Zeiten gesellschaftlicher und sozialer Transformation, in Zeiten der Angriffe auf unsere Demokratie und der notwendigen Neuerfindung unseres Zusammenlebens. Und mit ihm auch der Wandel von einem Kinder- und Jugendtheater zu einem vielfältigen und die Vielfalt feiernden »Kulturzentrum«: »Welcome« heißt die Überschrift des neuen Jungen Schauspiels. Zentrale Themen wie Diversität und Inklusion finden vermehrt Eingang in die Ausrichtung des Jungen Schauspiels, begünstigt durch Förderprogramme des Bundes und des Landes NRW. Den vielen Menschen, die auf der Flucht sind und ihren Weg nach Düsseldorf finden, machten wir mit dem »Café Eden« und den beliebten »Bürger:innendinnern« ein Angebot. Den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nimmt das Dhaus zum Anlass, künstlerische Begegnungen und gemeinsame Feste mit den vielen Ukrainer:innen zu initiieren, die auf der Flucht nach Düsseldorf gekommen sind. Den internationalen kulturellen Jugendaustausch stärken wir mit dem jährlich stattfindenden Jugendkongress »Future (T)here«. Wir begrüßen Jugendliche aus Indien, Israel, Südafrika, Nigeria, Brasilien, Ukraine, Polen, Italien, Iran u.a. Die zunehmende Mitsprache von Jugendlichen dokumentiert sich in der Gründung des Jugendbeirats »D’Insiders«.
Auch für das »Mutterhaus« am Gründgens-Platz ist das Junge Schauspiel, das junge Menschen an die Darstellenden Künste heranführt, fundamental wichtig für die kulturelle Bildung kommender Generationen.
Regisseur:innen wie Jan Friedrich, Farnaz Arbabi, Jan Gehler, Grete Pagan, Martin Grünheit, Juliane Kann, Sarah Ostertag, Kristo Sagor und Carmen Schwarz geben ihre Visitenkarte ab. Mit Regisseur:innen wie Liesbeth Coltof, Takao Baba, Robert Gerloff, Felix Krakau entwickeln sich kontinuierliche künstlerische Zusammenarbeiten. Hausregisseur der ersten Jahre wird der belgische Theatermagier Gregory Caers, der in der Spielzeit 2016/17 gleich mit drei Inszenierungen Maßstäbe setzt: »Odyssee«, »Obisike – Das Herz einer Löwin« und »Adams Welt«. Gregory Caers steht für ebenso feines und poetisches wie kraftvolles und physisches Bildertheater voller Deutungsmöglichkeiten und Geheimnisse, nicht nur für Kinder.
Das Junge Schauspiel wird eingeladen zu Festivals in der ganzen Welt, nach Sao Paulo, Lagos, Capetown, Okinawa; nach Holland, Belgien, Schweden. Dreimal hintereinander sind wir zum Theatertreffen des Kinder- und Jugendtheaters »Augenblick Mal!« eingeladen: mit »Der kleine Angsthase« (Regie Martin Grünheit), »Mr. Nobody« (Regie Jan Gehler) und mit Bonn Parks »Bambi & die Themen«. Zahlreiche Einladungen zum Westwind-Festival sind auch dabei, z.B. mit »Rausch« (Gregory Caers), »Das Leben macht mir keine Angst« (Liesbeth Coltof) und »Time to Shine« (Takao Baba). Die Pandemie legt viele Aktivitäten auf Eis. Langsam, aber sicher entwickelt sich auch wieder der internationale Austausch, der notwendige Blick über den Tellerrand in eine globalisierte Welt: Projekte mit Korea, Brasilien, Italien, Ukraine und Polen sind wieder in Planung.
Die Bedeutung eines Kinder- und Jugendtheaters als Treffpunkt der Generationen, als Ort der friedlichen Auseinandersetzung und der Orientierung, als Schule der Empathie, nimmt zu in Zeiten gesellschaftlicher und sozialer Transformation, in Zeiten der Angriffe auf unsere Demokratie und der notwendigen Neuerfindung unseres Zusammenlebens. Und mit ihm auch der Wandel von einem Kinder- und Jugendtheater zu einem vielfältigen und die Vielfalt feiernden »Kulturzentrum«: »Welcome« heißt die Überschrift des neuen Jungen Schauspiels. Zentrale Themen wie Diversität und Inklusion finden vermehrt Eingang in die Ausrichtung des Jungen Schauspiels, begünstigt durch Förderprogramme des Bundes und des Landes NRW. Den vielen Menschen, die auf der Flucht sind und ihren Weg nach Düsseldorf finden, machten wir mit dem »Café Eden« und den beliebten »Bürger:innendinnern« ein Angebot. Den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nimmt das Dhaus zum Anlass, künstlerische Begegnungen und gemeinsame Feste mit den vielen Ukrainer:innen zu initiieren, die auf der Flucht nach Düsseldorf gekommen sind. Den internationalen kulturellen Jugendaustausch stärken wir mit dem jährlich stattfindenden Jugendkongress »Future (T)here«. Wir begrüßen Jugendliche aus Indien, Israel, Südafrika, Nigeria, Brasilien, Ukraine, Polen, Italien, Iran u.a. Die zunehmende Mitsprache von Jugendlichen dokumentiert sich in der Gründung des Jugendbeirats »D’Insiders«.
Auch für das »Mutterhaus« am Gründgens-Platz ist das Junge Schauspiel, das junge Menschen an die Darstellenden Künste heranführt, fundamental wichtig für die kulturelle Bildung kommender Generationen.
Regisseur:innen wie Jan Friedrich, Farnaz Arbabi, Jan Gehler, Grete Pagan, Martin Grünheit, Juliane Kann, Sarah Ostertag, Kristo Sagor und Carmen Schwarz geben ihre Visitenkarte ab. Mit Regisseur:innen wie Liesbeth Coltof, Takao Baba, Robert Gerloff, Felix Krakau entwickeln sich kontinuierliche künstlerische Zusammenarbeiten. Hausregisseur der ersten Jahre wird der belgische Theatermagier Gregory Caers, der in der Spielzeit 2016/17 gleich mit drei Inszenierungen Maßstäbe setzt: »Odyssee«, »Obisike – Das Herz einer Löwin« und »Adams Welt«. Gregory Caers steht für ebenso feines und poetisches wie kraftvolles und physisches Bildertheater voller Deutungsmöglichkeiten und Geheimnisse, nicht nur für Kinder.
Das Junge Schauspiel wird eingeladen zu Festivals in der ganzen Welt, nach Sao Paulo, Lagos, Capetown, Okinawa; nach Holland, Belgien, Schweden. Dreimal hintereinander sind wir zum Theatertreffen des Kinder- und Jugendtheaters »Augenblick Mal!« eingeladen: mit »Der kleine Angsthase« (Regie Martin Grünheit), »Mr. Nobody« (Regie Jan Gehler) und mit Bonn Parks »Bambi & die Themen«. Zahlreiche Einladungen zum Westwind-Festival sind auch dabei, z.B. mit »Rausch« (Gregory Caers), »Das Leben macht mir keine Angst« (Liesbeth Coltof) und »Time to Shine« (Takao Baba). Die Pandemie legt viele Aktivitäten auf Eis. Langsam, aber sicher entwickelt sich auch wieder der internationale Austausch, der notwendige Blick über den Tellerrand in eine globalisierte Welt: Projekte mit Korea, Brasilien, Italien, Ukraine und Polen sind wieder in Planung.
Auf dem Bild: »Time to Shine« von Takao Baba und Ensemble mit Valentin Schwerdfeger, Bounracksa Phomkoumphon, Solomon Quaynoo und Natalie Hanslik.
Foto: David Baltzer
Foto: David Baltzer
VI. 2020 bis 2025 - Pandemie und Zukunftspläne
Im Januar 2020 noch waren ein Gastspiel und eine Koproduktion mit dem Kindertheater in Peking geplant, das dann pandemiebedingt abgesagt werden musste. Wie für so viele Kulturschaffende war die Pandemie eine riesige Herausforderung: Das Junge Schauspiel hat sich den Schließungswellen entgegengestemmt und kurzerhand Theatervorstellungen als »Unterricht an anderem Ort« deklariert und wo immer es möglich war, weitergespielt, gestreamt und den Kontakt zu Kitas, Schulen und Familien aufrechterhalten. Denn Kinder brauchen lebendige Kunst als Trost, als Spiegel, Heilmittel und als Unterhaltung, auch und gerade in Krisenzeiten. Coronabedingt entstanden Open-Air-Inszenierungen wie »Fleders Reise«, »Der überaus starke Willibald« (auf dem Gründgens-Platz), »Die Geschichte vom Löwen«, die Uraufführung von »Der nicht malen konnte« nach dem Buch von Martin Baltscheit und »Panda-Pand«, die Uraufführung des Kinderbuches von Saša Stanišić.
Ein besonderes Kennzeichnen wurden internationale Koproduktionen wie »Odysee«, »Obisike«, »Imagination TV« und »Der Schatz«. Ein weiteres Highlight markierte »Theater der Welt«, das größte internationale Theaterfestival im deutschsprachigen Raum, das 2021 die Welt nach Düsseldorf einlud. Zum ersten Mal in der Festivalgeschichte fand ein Programm für junges Publikum mit Uraufführungen von Jordan Tannahill (»Ist mein Mikro an?«) und David Paquet (»Das Gewicht der Ameisen«) statt, weiterhin Gastspiele u.a. aus Israel, Mexiko, Kamerun, Nigeria und den Niederlanden sowie ein internationaler Jugendkongress, der 100 Jugendliche aus zehn Ländern von vier Kontinenten eine Plattform bot. Erstmals in der Festivalgeschichte ging der renommierte »ITI«-Preis mit Jetse Batelaan und sein Artemis Theater an einen »Kindertheatermacher«. Eine Podiumsdiskussion mit Silvia Andringa, Jetse Batelaan, Liesbeth Coltof und Guy Corneille – drei der herausragendsten niederländischen Theaterschaffenden im Feld des Kinder- und Jugendtheaters – ergänzte die Auseinandersetzung mit Kunst für ein junges Publikum.
Die Spielzeiten 2021/22 und 2022/23 waren, bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben von jungen Menschen, stark geprägt von der Auseinandersetzung mit Ängsten in Inszenierungen wie »Bambi & Die Themen«, »Das Leben macht mir keine Angst«, »Am liebsten mag ich Monster«, »Don Giovanni« oder »K wie Kafka«. Doch auch die Lust auf Leben, Glanz, Glamour und Fantasy werden künstlerisch gefeiert – mit Inszenierungen wie »Das Mädchen, das den Mond trank«, »Time to Shine« und »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren«. Das Junge Schauspiel ist nun wieder auf Reisen und folgt Einladungen zu »Zwischenstücke« nach Mülheim/Ruhr, zum dritten Mal hintereinander zum Festival »Augenblick Mal!« nach Berlin, zu »Westwind« nach Bonn und zu »Shäxpir« nach Linz und erlebte ein umjubeltes Gastspiel mit »Panda Pand« in São Paulo.
Das Junge Schauspiel ist heute nicht nur »kultureller Grundversorger« für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt, es ist auch Botschafter und Exportschlager Düsseldorfs, spielt in Brasilien, Südafrika, Russland, Belgien, Indien, Nigeria, in Berlin, Oberhausen, Gütersloh und Dortmund. Es ist anerkannt und respektiert als unersetzlich bei Stadt und Land, besucht von jährlich durchschnittlich mehr als 60.000 Menschen aller Generationen, die hier oftmals ihre erste Berührung mit dem Theater erleben – für manche der Beginn einer lebenslangen Liebesbeziehung.
Im Dezember 2023 feierte das Junge Schauspiel 30 Jahre Kinder- und Jugendtheater in der Münsterstraße: Das sind geschätzte 2 Millionen kleine und große Besucher:innen, 110 Uraufführungen, Auftragswerke, Gegenwartsstücke und Ensembleproduktionen, 64 Klassiker der Kinder- und Weltliteratur (von »Momo« bis »Antigone«), 15 Grimm’sche Märcheninszenierungen und 6 Werke von Hans-Christian Andersen (3 Schneeköniginnen alleine in 30 Jahren!), 20 Mitspielstücke, 10 Mythen und Sagen (von »Artus« bis »Obisike«) aus dem europäischen und dem afrikanischen Sagenkreis, unzählige Klubpremieren von und mit Kindern und Jugendlichen als Darsteller:innen, plus zahlreiche Preise sowie Festivaleinladungen in die ganze Welt! Das ist die Umsetzung des Traumes vom Recht der Kinder auf Kunst und Kultur, nicht nur zur Weihnachtszeit. 30 Jahre Kinder- und Jugendtheater in der Münsterstraße heißt: häufig hart gekämpft, beständig gewachsen und – niemals darf das Wichtigste vergessen werden: die Kinder und Jugendlichen ernst- und wahrzunehmen als Ziel und Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit.
Ein besonderes Kennzeichnen wurden internationale Koproduktionen wie »Odysee«, »Obisike«, »Imagination TV« und »Der Schatz«. Ein weiteres Highlight markierte »Theater der Welt«, das größte internationale Theaterfestival im deutschsprachigen Raum, das 2021 die Welt nach Düsseldorf einlud. Zum ersten Mal in der Festivalgeschichte fand ein Programm für junges Publikum mit Uraufführungen von Jordan Tannahill (»Ist mein Mikro an?«) und David Paquet (»Das Gewicht der Ameisen«) statt, weiterhin Gastspiele u.a. aus Israel, Mexiko, Kamerun, Nigeria und den Niederlanden sowie ein internationaler Jugendkongress, der 100 Jugendliche aus zehn Ländern von vier Kontinenten eine Plattform bot. Erstmals in der Festivalgeschichte ging der renommierte »ITI«-Preis mit Jetse Batelaan und sein Artemis Theater an einen »Kindertheatermacher«. Eine Podiumsdiskussion mit Silvia Andringa, Jetse Batelaan, Liesbeth Coltof und Guy Corneille – drei der herausragendsten niederländischen Theaterschaffenden im Feld des Kinder- und Jugendtheaters – ergänzte die Auseinandersetzung mit Kunst für ein junges Publikum.
Die Spielzeiten 2021/22 und 2022/23 waren, bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben von jungen Menschen, stark geprägt von der Auseinandersetzung mit Ängsten in Inszenierungen wie »Bambi & Die Themen«, »Das Leben macht mir keine Angst«, »Am liebsten mag ich Monster«, »Don Giovanni« oder »K wie Kafka«. Doch auch die Lust auf Leben, Glanz, Glamour und Fantasy werden künstlerisch gefeiert – mit Inszenierungen wie »Das Mädchen, das den Mond trank«, »Time to Shine« und »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren«. Das Junge Schauspiel ist nun wieder auf Reisen und folgt Einladungen zu »Zwischenstücke« nach Mülheim/Ruhr, zum dritten Mal hintereinander zum Festival »Augenblick Mal!« nach Berlin, zu »Westwind« nach Bonn und zu »Shäxpir« nach Linz und erlebte ein umjubeltes Gastspiel mit »Panda Pand« in São Paulo.
Das Junge Schauspiel ist heute nicht nur »kultureller Grundversorger« für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt, es ist auch Botschafter und Exportschlager Düsseldorfs, spielt in Brasilien, Südafrika, Russland, Belgien, Indien, Nigeria, in Berlin, Oberhausen, Gütersloh und Dortmund. Es ist anerkannt und respektiert als unersetzlich bei Stadt und Land, besucht von jährlich durchschnittlich mehr als 60.000 Menschen aller Generationen, die hier oftmals ihre erste Berührung mit dem Theater erleben – für manche der Beginn einer lebenslangen Liebesbeziehung.
Im Dezember 2023 feierte das Junge Schauspiel 30 Jahre Kinder- und Jugendtheater in der Münsterstraße: Das sind geschätzte 2 Millionen kleine und große Besucher:innen, 110 Uraufführungen, Auftragswerke, Gegenwartsstücke und Ensembleproduktionen, 64 Klassiker der Kinder- und Weltliteratur (von »Momo« bis »Antigone«), 15 Grimm’sche Märcheninszenierungen und 6 Werke von Hans-Christian Andersen (3 Schneeköniginnen alleine in 30 Jahren!), 20 Mitspielstücke, 10 Mythen und Sagen (von »Artus« bis »Obisike«) aus dem europäischen und dem afrikanischen Sagenkreis, unzählige Klubpremieren von und mit Kindern und Jugendlichen als Darsteller:innen, plus zahlreiche Preise sowie Festivaleinladungen in die ganze Welt! Das ist die Umsetzung des Traumes vom Recht der Kinder auf Kunst und Kultur, nicht nur zur Weihnachtszeit. 30 Jahre Kinder- und Jugendtheater in der Münsterstraße heißt: häufig hart gekämpft, beständig gewachsen und – niemals darf das Wichtigste vergessen werden: die Kinder und Jugendlichen ernst- und wahrzunehmen als Ziel und Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit.
Auf dem Bild: Abschied aus der Münsterstraße mit vielen Wegbegleiter:innen der letzten Jahrzehnte
Foto: Sven Oliver Grünberger
Foto: Sven Oliver Grünberger
Auf dem Bild: Die neue Spielstätte des Jungen Schauspiel und Stadt:Kollektiv: das Central am Hauptbahnhof
Foto: Anne Orthen
Foto: Anne Orthen
VII. Umzug ins Central und 50. Geburtstag
Lange hat es gedauert. Mehr als sieben Jahre. Da war zuerst diese Idee: Die Wiederbelebung der beliebten Spielstätte »Central am Hauptbahnhof« mit seiner spektakulären Brücke für unser Publikum. Nach der Interimszeit des Schauspielhauses während der Sanierung, dem Umzug des Jungen Schauspiels aus der weit vom Zentrum entfernten und stark renovierungsbedürftigen Spielstätte Münsterstraße 446 sollte die Zusammenführung und Konzentration des Düsseldorfer Schauspielhauses auf zwei Kraftzentren folgen: das Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz und das Central. Wilfried Schulz und ich träumten diesen Traum und fanden immer mehr Mitstreiter, Freunde und Förderer: im eigenen Haus, in den Freundeskreisen, im Aufsichtsrat, in der Stadt, im Kulturministerium des Landes NRW und sogar im Bund. Und so wurde aus einer kühnen Idee ein gefeierter Umzug und Umbau: Seit dem 19. September 2025 gibt es die neue Spielstätte von Jungem Schauspiel und Stadt:Kollektiv: im Herzen der Stadt, in einem herausfordernden und lebendigen Umfeld, im Zentrum der neuen »Kulturmeile« vom KAP1 über das Central bis zum Worringer Platz und zum tanzhaus nrw.
2026 feiert das Junge Schauspiel erneut und nach 30 Jahren Münsterstraße – seinen 50. Geburtstag! Ein halbes Jahrhundert Theater für junge Menschen in Düsseldorf, denn seit 1976 gibt es die Sparte am Haus. Lasst uns gemeinsam jede Anstrengung unternehmen, dass alle in dieser Gesellschaft auch weiterhin mit der Kunst eine lebenslange Liebesbeziehung eingehen können. Kunst für ein junges Publikum ist kein Schokoriegel, sondern nahrhafte nachhaltige Kost, die allen zusteht. Wie sagte es einer der Gründerväter, Günther Beelitz? »Das Geburtstagskind ist insbesondere unter den heutigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen nicht mehr wegzudenken. Nein, heute ist das Junge Schauspiel eine Voraussetzung für den Gesamtaspekt Düsseldorfer Schauspielhaus, und kluge Kulturpolitiker, von denen es ja in Düsseldorf doch noch einige gibt, wissen darum und werden deshalb auch die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen wissen: als Investition in die Zukunft unserer Jugend. Deshalb: Spart nicht am Jungen Schauspiel, sondern klotzt – Ihr werten Politiker –, es wird uns alles zurückgegeben werden von den Heranwachsenden, wenn sie spielerisch erleben, wie Welt und Menschen zu verstehen und zu verändern sind.« Was für ein Glück! Das wird am 10.Dezember 2026 groß gefeiert.
2026 feiert das Junge Schauspiel erneut und nach 30 Jahren Münsterstraße – seinen 50. Geburtstag! Ein halbes Jahrhundert Theater für junge Menschen in Düsseldorf, denn seit 1976 gibt es die Sparte am Haus. Lasst uns gemeinsam jede Anstrengung unternehmen, dass alle in dieser Gesellschaft auch weiterhin mit der Kunst eine lebenslange Liebesbeziehung eingehen können. Kunst für ein junges Publikum ist kein Schokoriegel, sondern nahrhafte nachhaltige Kost, die allen zusteht. Wie sagte es einer der Gründerväter, Günther Beelitz? »Das Geburtstagskind ist insbesondere unter den heutigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen nicht mehr wegzudenken. Nein, heute ist das Junge Schauspiel eine Voraussetzung für den Gesamtaspekt Düsseldorfer Schauspielhaus, und kluge Kulturpolitiker, von denen es ja in Düsseldorf doch noch einige gibt, wissen darum und werden deshalb auch die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen wissen: als Investition in die Zukunft unserer Jugend. Deshalb: Spart nicht am Jungen Schauspiel, sondern klotzt – Ihr werten Politiker –, es wird uns alles zurückgegeben werden von den Heranwachsenden, wenn sie spielerisch erleben, wie Welt und Menschen zu verstehen und zu verändern sind.« Was für ein Glück! Das wird am 10.Dezember 2026 groß gefeiert.
Deshalb am Ende der Geschichte, die am Gründgens-Platz begann und 2025 ins Herz der Stadt, ins Central, führte: Dank an die Gründerin und Pionierin, ohne die wir heute nicht von der Zukunft träumen könnten, danke, liebe Dr. Barbara Oertel-Burduli, danke Barbara!
— 04/2026
*Der Straßenname Karl-Röttger-Platz setzte sich nicht durch, dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass Karl Röttger in den 1920er Jahren die ersten Konzepte für ein »Theater für Kinder« und eine »Dramaturgie des Kindertheaters« in Düsseldorf verfasst hatte (»Das schöpferische und das spielende Kind. Das Kindertheater«, 1927) und erste Versuche mit Studierenden der Akademie des Schauspielhauses bestritt (Absolvent:innen der Düsseldorfer Schauspielschule waren u.a. Walter Oehmichen, später Gründer der Augsburger Puppenkiste, und Gustaf Gründgens).
Der Autor: Stefan Fischer-Fels, Dramaturg und Künstlerischer Leiter des Jungen Schauspiels am D’haus von 2003 bis 2011 und wieder seit 2016 als Mitglied der Gesamtleitung. Er war als künstlerischer Leiter zudem von 1993 bis 2003 und 2011 bis 2016 am Grips Theater in Berlin tätig.
Mitarbeit: Richard Isselhorst, Düsseldorfer Jugendamtsleiter 1988 bis 2003, zur Gründungszeit des Kindertheaters 1976 Koordinator für Behindertenhilfe der Stadt Düsseldorf. Referent des Jugenddezernenten bzw. des Oberstadtdirektors von 1978 bis 1988. Seit 2003 im Vorstand des Fördervereins. Ute Kessler, von 1977 bis 2007 Schulreferentin, Theaterpädagogin und Dramaturgin am Düsseldorfer Schauspielhaus, ab 1993 vorrangig im Kindertheater. 2002/3 Interimsleiterin des Kinder- und Jugendtheaters, seit 2007 im Vorstand des Fördervereins.
— 04/2026
*Der Straßenname Karl-Röttger-Platz setzte sich nicht durch, dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass Karl Röttger in den 1920er Jahren die ersten Konzepte für ein »Theater für Kinder« und eine »Dramaturgie des Kindertheaters« in Düsseldorf verfasst hatte (»Das schöpferische und das spielende Kind. Das Kindertheater«, 1927) und erste Versuche mit Studierenden der Akademie des Schauspielhauses bestritt (Absolvent:innen der Düsseldorfer Schauspielschule waren u.a. Walter Oehmichen, später Gründer der Augsburger Puppenkiste, und Gustaf Gründgens).
Der Autor: Stefan Fischer-Fels, Dramaturg und Künstlerischer Leiter des Jungen Schauspiels am D’haus von 2003 bis 2011 und wieder seit 2016 als Mitglied der Gesamtleitung. Er war als künstlerischer Leiter zudem von 1993 bis 2003 und 2011 bis 2016 am Grips Theater in Berlin tätig.
Mitarbeit: Richard Isselhorst, Düsseldorfer Jugendamtsleiter 1988 bis 2003, zur Gründungszeit des Kindertheaters 1976 Koordinator für Behindertenhilfe der Stadt Düsseldorf. Referent des Jugenddezernenten bzw. des Oberstadtdirektors von 1978 bis 1988. Seit 2003 im Vorstand des Fördervereins. Ute Kessler, von 1977 bis 2007 Schulreferentin, Theaterpädagogin und Dramaturgin am Düsseldorfer Schauspielhaus, ab 1993 vorrangig im Kindertheater. 2002/3 Interimsleiterin des Kinder- und Jugendtheaters, seit 2007 im Vorstand des Fördervereins.