»Blindekuh mit dem Tod« auf Gastspiel in Czernowitz, Ukraine

Die Inszenierung des Jungen Schauspiel »Blindekuh mit dem Tod« nach der Graphic Novel von Anna Yamchuk, Mykola Kuschnir, Natalya Herasym und Anna Tarnowezka war in der vergangenen Woche als Gastspiel in Czernowitz in der Ukraine. Die Inszenierung erzählt die Geschichte von vier jüdischen Kindern, die den Holocaust in Czernowitz erleben. Die Geschichte endet in Düsseldorf mit einem der vier Kinder: dem Zeitzeugen Herbert Rubinstein, der heute in Düsseldorf lebt. Es war eine bewegende Reise an den Ursprung dieser Geschichte:

»Die brüllenden Notstromgeneratoren sind der ›Sound von Czernowitz‹, die Partnerstadt Düsseldorfs in der Ukraine. Das Junge Schauspiel spielt mit Notstrom ›Blindekuh mit dem Tod‹ am Originalschauplatz, dort, wo die vier Kinder Herbert, Mimi, Jossi und Josyf von den Nazis verfolgt und deportiert wurden. Wir spielen in einem Kriegsgebiet, wo Menschen bei dem Satz ›Papa, wohin gehst du? Wann sehe ich dich wieder?‹ in Tränen ausbrechen. Wie kann Hass überwunden werden? Wie können wir Hoffnung schöpfen? Eine bewegende und sehr emotionale Reise von West nach Ost. Und viele neue Freund:innen.« schreibt der Leiter des Jungen Schauspiels Stefan Fischer-Fels, der die Gastspielreise begleitet hat.

Das Werk wurde in zwei Bearbeitungen (ukrainisch und deutsch) präsentiert. Die ukrainische Fassung von Ivan Danilin wurde bereits zehnmal in Czernowitz und in Riwne vor insgesamt über 1.800 meist jugendlichen Zuschauer:innen aufgeführt. Die deutsche Fassung von Stefan Fischer-Fels und Robert Gerloff läuft seit April 2025 mit großem Erfolg in Düsseldorf und erreichte bei 22 Terminen bereits über 3.600 Zuschauer:innen.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller machte in einer Videoansprache deutlich, dass Kunst angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine weit mehr als Unterhaltung sei — sie stehe für Freiheit, Menschlichkeit und Widerstandskraft. Zugleich bekräftigte er »die feste Solidarität der Stadt Düsseldorf mit ihren ukrainischen Freundinnen und Freunden«. Miriam Koch, Beigeordnete für Kultur der Stadt Düsseldorf, betonte per Video zugeschaltet die zentrale Rolle von Kultur, Künstler:innen und allen Kulturschaffenden für lebendige und langfristige Beziehungen zwischen Partnerstädten. Sie sprach Matthias Richter, Stefan Fischer-Fels sowie dem gesamten Team ihren Dank und Respekt aus.

Die aktuelle Tournee von »Blindekuh mit dem Tod« führt u. a. nach Berlin, Chemnitz, Czernowitz und Leverkusen. Der Besuch des deutschen Theaterensembles war nicht nur für Czernowitz, sondern für den Kulturkalender der gesamten Ukraine ein besonderes Zeichen der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit.