Da sah die Frau, dass der Baum gut zur Speise war, dass er begehrenswert war für die Augen und dass er klug machen könnte.
Man nehme zwei Frauen (gerne mit Altersunterschied), eine urteilende Instanz (z. B. Gott, ein Orakel, ein sprechender Spiegel tut es auch), einen abgelegenen Ort, wahlweise einen verbotenen oder vergifteten Apfel. Fertig ist der Plot. Ein Kanon von Geschichten über neidische Frauen prägt unsere Erzählwelten. Beispiele gefällig?

Die Stiefmutter ist so neidisch auf Schneewittchens Schönheit, dass sie gleich mehrere Mordversuche unternimmt. Schneewittchen hat Glück und wird gerettet, weil sich ein Mann in ihren scheintoten Körper verliebt. Really? Es gibt kaum eine Geschichte, die Frauen weniger Sex-Appeal zur Identifikation bietet.

Selbst Göttinnen können sich der vom male gaze entflammten Rivalität nicht entziehen: Hera, Athene und Aphrodite legen im Streit um den Titel „Die Schönste“ mal eben ganz Troja in Schutt und Asche. Und weil es sehr viel bequemer ist, laut „Die ist doch nur neidisch, was will sie denn noch alles?“ zu rufen, statt für Gleichberechtigung zu sorgen, werden Lilith und Eva nicht nur aus dem Paradies verstoßen, sondern gleich für den Sündenfall der Menschheit verantwortlich gemacht.

Wovor warnen diese Erzählungen eigentlich? Vor der „neidischen Frau“ – oder vor einer Welt, die Frauen animiert, sich gegenseitig zu bekämpfen? Yeşim Nela Keim Schaub und Lisa Pottstock schreiben mit ihren Spielerinnen* die Geschichten um: Statt sich hinterrücks zu vergiften, offenbaren sie ihre Neidfratzen und gehen lustvoll in die Konfrontation.
PARADISE LOST ALL OVER AGAIN
7 TODSÜNDEN: NEID
von Yeşim Nela Keim Schaub, Lisa Pottstock
Uraufführung am 25. September 2026
Central 2
Stadt:Kollektiv

Besetzung

Regie Yeşim Nela Keim Schaub, Lisa Pottstock
Bühne und Kostüm Pau Holtkamp
Musik Lisa Pottstock
Dramaturgie Denise Hafermann
Theaterpädagogik Lina Addy