Ich spüre dieses selbstgefällige‚
Ich-bin-eine-gute-Mutter-Gefühl
in mir, das so selten vorkommt.
Die australische Juristin und Dramatikerin Suzie Miller hat ihr neues Stück Inter Alia genannt, was übersetzt „unter anderem“ heißt – unter anderem ist die angesehene Richterin Jessica Parks auch Mutter, Ehefrau, Freundin und Karaoke-Liebhaberin. All diesen Rollen versucht sie gerecht zu werden, versucht, die Spannungen in der Ehe mit ihrem weniger erfolgreichen Mann Michael, der ebenfalls Jurist ist, zu entschärfen, versucht, mit ihrem Sohn Harry in einem respektvollen und achtsamen Austausch zu sein. Ihre Welt erlebt eine Erschütterung, als Harry eines Nachts betrunken von einer Party zurückkehrt und in der Folge der Vergewaltigung einer Mitschülerin beschuldigt wird. Jessica Parks’ fein austarierte Lebensbereiche stürzen ein und sie steht vor einem Dilemma: Folgt sie ihrem Instinkt als Mutter, die ihr Kind um jeden Preis zu schützen bereit ist, oder steht sie zu ihren Überzeugungen als Juristin und Feministin?

Nach dem fulminanten Monolog Prima Facie, in dem sich eine Anwältin mit der weiblichen Erfahrung sexualisierter Gewalt in einem patriarchalen Justizsystem auseinandersetzt, stellt Suzie Miller erneut eine Frau ins Zentrum, deren berufliche und private Welt in einer Ausnahmesituation kollidieren. Die Regisseurin Anna Stiepani zeigt diese Untersuchung von moderner Mutterschaft und Männlichkeitsbildern als deutschsprachige Erstaufführung. Anna Stiepani hat u. a. die Uraufführung von Staubfrau von Maria Milisavljević (2025 mit dem Mülheimer Dramatikpreis ausgezeichnet) am Schauspielhaus Zürich inszeniert.
INTER ALIA
von Suzie Miller
Übersetzung Anne Rabe
Deutschsprachige Erstaufführung am 31. Oktober 2026
Schauspielhaus, Großes Haus
Schauspiel

Besetzung

Regie Anna Stiepani
Bühne und Kostüm Thurid Peine
Dramaturgie Anika Steinhoff