DER DICHTER

EKSTATISCH
Aus Lehm schuf der Gott Ptah den Menschen auf einer Töpferscheibe, auf einer Drehscheibe.

SKEPTISCH
oder auf wer weiß was, zum Teufel!

EKSTATISCH
Aus Lehm schafft der Bildhauer sein mehr oder minder unsterbliches Meisterwerk,

SKEPTISCH
meistens ist es Dreck!
„Es ist schade um die Menschen“, sagt Agnes, Tochter der Göttin Indra, wenn sie von ihrer Reise von der Erde zurückkehrt. Sie hat das Leben der Menschen in einem rasanten Kaleidoskop erfahren: unglückliche Lieben, soziale Not, gescheiterte Karrieren, Einsamkeit. August Strindberg zeigt in seinem revolutionären Drama von 1901 mit der Logik des Traums den „unverbindlichen Wirklichkeitsgrund“ und seinen Widerspruch: Realität ist eine Entscheidung, aber wir kennen nicht alle Zusammenhänge. Was bedeutet diese Versuchsanordnung in einer modernen Welt, in der sich das Schöpfen von Gott über den Menschen zu digitaler Technologie verlagert hat? Woher kommt der Drang der Menschen, sich etwas zu erschaffen, das sie selbst betrachtet und beurteilt? Warum lagern sie Sinngebung aus und erfinden gleichzeitig Systeme, die sie selbst entbehrlich machen? Der Münchner Theaterautor und Regisseur Emre Akal beschäftigt sich in seinen Inszenierungen mit der Frage, wie Selbstentwurf und System miteinander verwoben sind. Seit 2019 entwickelt er im engen Zusammenspiel mit dem international erfolgreichen Münchner Künstlerduo Mehmet & Kazim Theaterarbeiten, die Malerei, Popkultur, Animation und virtuelle Räume zu hybriden Bildwelten verdichten – eine installative Erzählweise, in der Raum, Körper, Sprache und Sound ineinandergreifen. Angelehnt an die Motive Strindbergs erschafft Akals Überschreibung Szenen des Menschseins im heutigen Spannungsfeld des digitalen Zeitalters, in das wir gerade migriert sind: ein Schöpfungsentwurf an der Schnittstelle von Theater, zeitgenössischer Kunst und digitaler Kultur.
EIN TRAUMSPIEL
von Emre Akal und Mehmet & Kazim frei nach August Strindberg
Uraufführung am 13. März 2027
Schauspielhaus, Großes Haus
Schauspiel

Besetzung

Text und Regie Emre Akal
Bühne und Video Mehmet & Kazim
Kostüm Lara Roßwag
Musik Daniel Freitag
Dramaturgie Emilia Heinrich