Ach, diese Lücke!
Diese entsetzliche Lücke,
die ich hier in meinem Busen fühle!
Das Zeugnis in der Tasche, die Tür zur Welt sperrangelweit offen – und plötzlich ist da dieses Nichts. Werther hat sein Studium abgebrochen und weiß absolut nicht, wohin mit sich. Er flieht aufs Land, schreibt Briefe und verrennt sich in einer Liebe zu Lotte, die so absolut ist, dass sie sein gesamtes Dasein verschluckt.

Johann Wolfgang Goethes Briefroman wurde 1774 in ganz Europa zur literarischen Sensation und machte den erst 25-Jährigen über Nacht zum Superstar. Doch was bedeutet dieses „Werther-Gefühl“ heute? Wenn die Schule vorbei ist und die Freiheit in einer immer haltloseren Welt wie eine Drohung erscheint? Wenn man sich angesichts der permanenten Pflicht zur Selbstverwirklichung einfach nur erschöpft und verloren fühlt? Mit einem Ensemble jugendlicher Spieler:innen untersucht Regisseurin Joanna Praml diese „entsetzliche Lücke“, die entsteht, wenn die großen Lebensentwürfe fehlen. Ist die totale Hingabe an ein Gefühl heute eine gefährliche Flucht ins Private oder der einzig mutige Ausbruch aus dem Zwang, immer funktionieren zu müssen?

Joanna Praml entwickelt vor allem mit nichtprofessionellen Darsteller:innen Inszenierungen, u. a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Theater Berlin, am Staatstheater Nürnberg, am Staatsschauspiel Dresden und am Schauspiel Bern. Ihr Schwerpunkt liegt auf Überschreibungen von Klassikern, die sie mit der Lebenswirklichkeit junger Menschen in Verbindung bringt.
DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER
nach Johann Wolfgang Goethe in einer Überschreibung von Joanna Praml und Dorle Trachternach
Premiere am 3. April 2027
Schauspielhaus, Kleines Haus
Stadt:Kollektiv

Besetzung

Regie Joanna Praml
Bühne und Kostüm Claudia Kalinski
Musik Hajo Wiesemann
Dramaturgie Birgit Lengers
Theaterpädagogik Ilka Zänger