Was schulden wir dem, was wir sehen?
Schiffbruch mit Zuschauer. So heißt das verschollene Gemälde von Francisco de Goya, das ein Logistikunternehmer mit zwielichtigen Geschäftsverbindungen einst als Pfand für einen Waffendeal vom russischen Söldnerführer Prigoschin erhalten hat. Jetzt liegt der Spediteur im Koma und seine vier Kinder stehen vor der Frage, was sie mit dem vergifteten Schatz beginnen sollen.

„Schiffbruch mit Zuschauer“ ist ein Motiv der Literatur- und Kunstgeschichte (das Goya, soweit man weiß, nie bearbeitet hat), in dem ein einzelner Mann an vermeintlich sicherem Ufer einem verheerenden Ereignis gegenübersteht, irgendwo zwischen unschuldigem Betrachter, der Mitwelt verpflichtetem Zeugen und wissendem Mittäter.

Edi ist als Kunsthistoriker und Goya-Experte überzeugt, dass das Bild einem Museum geschenkt und so der Öffentlichkeit zurückgegeben werden muss. Uma, die nicht in der reichen Unternehmerfamilie aufgewachsen ist, sieht keinen Grund, aus diesem Fund nicht so viel Profit wie möglich zu schlagen. Manu versucht vor allem, sicherzustellen, dass nicht zu viel von seiner eigenen Verstrickung in die Geschäfte seines Vaters ans Licht kommt. Fred dagegen ist ganz auf seine Tanzkarriere konzentriert, könnte aber ein bisschen Geld gut gebrauchen. Beteiligte Zuschauer:innen bei dem Schiffbruch, den die eigenen Werte und Kategorien erleiden, sind sie am Ende alle.

Die aus Israel stammende, seit vielen Jahren in Berlin lebende und arbeitende Autorin und Regisseurin Yael Ronen hat einen rasanten Thriller über Kunst und Krieg und die Verantwortung von uns Betrachter:innen geschrieben und inszeniert. Die Kölner Inszenierung wird von ihr mit dem Düsseldorfer Ensemble neu einstudiert.
COLLATERAL DAMAGE
von Yael Ronen
Übersetzung Irina Szodruch
Premiere im Mai 2027
Schauspielhaus, Großes Haus
Schauspiel

Übernahme vom Schauspiel Köln

Besetzung

Regie Yael Ronen
Bühne Wolfgang Menardi
Kostüm Amit Epstein
Video Stefano Di Buduo
Musik Yaniv Fridel & Ofer Shabi
Dramaturgie Udi Aloni, Nina Rühmeier