Mr. Handicap Pressestimmen
Westdeutsche Zeitung
Max Kirschner, 27.03.2017
Leicht könnte das als Pädagogen-Kitsch über die Rampe kommen. Doch Regisseur Frank Panhans verzichtet auf erhobene Zeigefinger, Selbstmitleid und rührselige Gutmensch-Duselei. Er setzt vielmehr auf beißenden Spott, manchmal auch schwarze Selbst-Ironie des behinderten Vincent, hat auch keine Panik vor politisch unkorrekten Wörtern.
Panhans führt die Schwierigkeiten von Vincents Vater, seiner Lehrerin und seinen Mitschülern drastisch vor Augen, verpackt sie aber häufig ein rockige Musiknummern und elektrisierende Tanz-Einlagen. Diese Mischung aus ernstem Tonfall und Leichtigkeit begeistert und berührt reifere genauso wie jüngere Zuschauer (ab neun Jahren): Auf die Gefühlsschwankungen von Mr. Handicap reagieren die Jüngsten mal mit betretenem Schweigen, dann aber, wenn es angebracht ist, durch Kichern und Lachen. Bis zum lautstark bejubelten Finale wird ihnen klar: Es geht um den steinigen, mühsamen Weg, den (auch jüngere Menschen) zurücklegen müssen, um wahre Freunde zu werden. Groß ist der Anteil der Schauspieler am Erfolg dieser Premiere. Hauptdarsteller Kilian Ponert trägt nicht nur körperlich die Behinderung über zwei Theaterstunden hinweg. Der jungenhaft wirkende schlaksige Mime zeichnet eindrucksvoll das Porträt eines Schülers, der mit allen Tricks – manchmal auch hinterlistig – gegen seine Paten (aber auch gegen Vater und Lehrerin) kämpft und intrigiert. 

Rheinische Post
Claus Clemens, 27.03.2017
Belohnt wurden die Zuschauer mit einem temporeichen Spiel und einem aufwendigen Bühnenbild. [...] Vor allem aber überzeugte das Spiel der exzellenten Darsteller. An der Seite von Kilian Ponert in der Rolle des Vincent und Jonathan Gyles als Hannes beeindruckte das Universaltalent Paul Jumin Hoffmann.
Fünf Rollen hatte man ihm anvertraut, die er wie in früheren Inszenierungen souverän meisterte. Die Frauenrollen waren mit Alessa Kordeck, Maria Perlick und Maëlle Giovanetti ebenfalls gut besetzt. [...] Mitten in dem ziemlich turbulenten Bewegungskarussel erntete eine anrührende Szene spontanen Applaus. Kilian Ponert führte mit artistischer Eleganz vor, wie ein Mensch ohne Zuhilfenahme der Arme Kleidungsstücke anlegt. Hier wie überhaupt ständig an diesem zweistündigen Abend zeigte sich das Ensemble des Jungen Schauspiels in Topform. [...] Für das Stück gab es große Begeisterung.

Besetzung

Emine / Frau Krippke, Lehrerin, u. a.Alessa Kordeck
Mary Lou, Mitschülerin u. a.Maria Perlick
Pepe / Martin, Vincents Vater, u. a.Paul Jumin Hoffmann
Nicole, Hannes' Mutter, u. a.Maëlle Giovanetti
Passanten, Passagiere, Schüler, u. a.Ensemble
Bühne und KostümJan A. Schroeder
ChoreografieMarcus Grolle
SounddesignMarco Schretter
DramaturgieKirstin Hess
TheaterpädagogikThiemo Hackel

Dauer

2 Stunden — eine Pause