Rheinische Post
Dorothee Krings, 26.04.2017
Das sind die schönsten Momente, wenn der Syrer Khater Dawa singt und rappt oder wenn die Iranerin Mitra Zarif-Kayvan ein Lied anstimmt, bis die anderen tanzen. Das ist keine Migrantenfolklore, da wird Lebensgeschichte hörbar. Und das Theater schafft eine Situation, in der Menschen einander zuhören, beobachten, nicht gleich urteilen. [...] Das Theater kann keinen Film nachspielen - die Bürgerbühne versucht das auch nicht, sie spielt mit Typen und Stimmungen aus »Casablanca« und erlaubt sich komische Momente. [...] So verneigt sich die Bürgerbühne vor einem Filmklassiker und spielt doch ihre eigene Stärke aus: vom Leben zu erzählen - bühnenreif.
In einer anspielungsreichen, anfangs etwas sperrigen Inszenierung verweben Andcompany & Co Motive aus dem Film mit Fluchtgeschichten von heute und spicken ihre Film-Neubesichtigung noch mit Gedanken berühmter Flüchtlinge wie Hannah Arendt oder Bertolt Brecht. Das hat den Reiz, die Themen Flucht und Migration dem aktuellen Krisendiskurs zu entreißen und mit den Mitteln der Kunst gültiger zu betrachten. "Café Casablanca" ist kein Rührstück, es werden keine Schicksale ausgewalzt, es menschelt nicht. Aber der Abend schafft Raum für Begegnung: Menschen aus Düsseldorf, die in anderen Teilen der Welt geboren wurden und vor mehr oder weniger langer Zeit nach Deutschland kamen, teilen etwas von sich mit. Ein Stück ihrer Biografie oder ein wenig Musik aus ihrer Heimat.Das sind die schönsten Momente, wenn der Syrer Khater Dawa singt und rappt oder wenn die Iranerin Mitra Zarif-Kayvan ein Lied anstimmt, bis die anderen tanzen. Das ist keine Migrantenfolklore, da wird Lebensgeschichte hörbar. Und das Theater schafft eine Situation, in der Menschen einander zuhören, beobachten, nicht gleich urteilen.
Das Theater kann keinen Film nachspielen - die Bürgerbühne versucht das auch nicht, sie spielt mit Typen und Stimmungen aus "Casablanca" und erlaubt sich komische Momente, etwa wenn sich die Hauptfiguren zum Höhepunkt des Films nicht entscheiden können, wer das rettende Flugzeug besteigen wird, und das minutenlang bei gezückten Waffen ausdiskutieren. So verneigt sich die Bürgerbühne vor einem Filmklassiker und spielt doch ihre eigene Stärke aus: vom Leben zu erzählen - bühnenreif.

Westdeutsche Zeitung
Max Kirschner, 26.04.2017
Das Regieteam verbindet in seinem Lehrstück das Flüchtlingsschicksal der Nazizeit mit der Situation von Menschen auf der Flucht in unserer Zeit. [...] Immer wieder geht es um Hannah Arendt, Bertolt Brecht, um Visa, Aufenthalts-genehmigungen, Stempel und EU-Reisepässe, die vom Himmel regnen. […] Mit Heiterkeit, Ironie und Leichtigkeit bringen die Mimen solche Szenen als Parodie über die Rampe und brillieren in Verwandlungskunststücken. [...] Solche Momente verfehlen ihre Wirkung nicht, auch nicht bei jüngeren Zuschauern.
Viele Details der Szenerie in der Performance »CaféCasablanca – Everybody comes to stay!« sind dem Film nachempfunden. Doch Nostalgie allein reicht der ‚Andcompany & Co’ nicht. Das Regieteam von Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma verbindet in seinem Lehrstück das Flüchtlingsschicksal der Nazizeit mit der Situation von Menschen auf der Flucht in unserer Zeit. Sicherlich ein ambitioniertes Projekt von Bürgerbühne und Jungem Schauspielhaus. […] Deutlich werden zwar in dieser pausenlosen 80-Minuten-Collage die Ursachen für die damaligen Flüchtlingsbewegungen aus Europa in die USA durch das Tor zur Freiheit in Lissabon. Die portugiesische Hafenstadt erreichte man damals nur per Propellermaschine über das marokkanische Casablanca. Ganz anders die Ströme der Flüchtlinge heute, die sich in die heute begehrten europäischen Staaten (damals gefürchteten) bewegen. Anschaulich gemacht durch eine Landkarte mit Pfeilen, die auf Fluchtbewegungen deuten. Immer wieder geht es um Hannah Arendt, Bertolt Brecht, um Visa, Aufenthaltsgenehmigungen, Stempel und EU-Reisepässe, die vom Himmel regnen. […] Mit Heiterkeit, Ironie und Leichtigkeit bringen die Mimen solche Szenen als Parodie über die Rampe und brillieren in Verwandlungskunststücken. Anpassen oder Anderssein, Nazi oder Flüchtling. Fragen, die die Figuren nicht zur Ruhe kommen lassen. Doch sie gelangen zur frustrierenden Erkenntnis: Selbst wenn sie sich anpassen und eingliedern, werden sie bestenfalls als »Mitbürger mit Migrations-Hintergrund« akzeptiert. Solche Momente verfehlen ihre Wirkung nicht, auch nicht bei jüngeren Zuschauern. Insgesamt sind Dialoge und Mini-Szenen geschickt montiert, doch rückt das Berliner Theaterkollektiv stets sein politisches Engagement in den Vordergrund.

WDR Lokalzeit
Helge Drafz, 26.04.2017
Rechte hat, wer einen Pass hat und einen Platz in dieser Gesellschaft. ›Café Casablanca‹ beleuchtet dieses Thema von vielen Seiten, verweist auf die Literatur und stellt Bezüge zur Geschichte her.

theater:pur
Dietmar Zimmermann, 1.5.2017
»Die Aufführung hat Schmelz und Melancholie – und sie hat politischen Biss. Er streichelt die Seele derjenigen, die Melancholie und Wehmut auch dann genießen können, wenn sie durch einen kritischen Blick und Reflexion gebrochen oder angereichert werden. Er ist spannend für die Freunde des politischen Theaters. Er klärt auf über historische Zusammenhänge und Wahrheiten. Vor allem aber ist er das perfekteste Integrationsprojekt, das der Unterzeichner jemals erlebt hat. Alle spürten, dass an diesem Abend etwas Exzeptionelles gelungen war – nicht nur in künstlerischer Hinsicht.«
»Die Aufführung hat Schmelz und Melancholie – und sie hat politischen Biss. Dieser gemeinsame Abend der Düsseldorfer Bürgerbühne und des Jungen Schauspiels ist ein Projekt für alle Altersgruppen und für alle Bevölkerungsschichten. Er ist ein Muss für die älteren Herrschaften, die Casablanca lieben – denn natürlich ist er auch eine Hommage an den Film. Er streichelt die Seele derjenigen, die Melancholie und Wehmut auch dann genießen können, wenn sie durch einen kritischen Blick und Reflexion gebrochen oder angereichert werden. Er ist spannend für die Freunde des politischen Theaters. Er klärt auf über historische Zusammenhänge und Wahrheiten. Vor allem aber ist er das perfekteste Integrationsprojekt, das der Unterzeichner jemals erlebt hat. Neu angekommene Flüchtlinge, langjährige Immigranten und Einheimische aus allen Bevölkerungsschichten feierten im Anschluss an die Premiere in einer ungewöhnlich gelösten Stimmung miteinander, denn alle spürten, dass an diesem Abend etwas Exzeptionelles gelungen war – nicht nur in künstlerischer Hinsicht.«

Deutschlandradio Kultur
Alexander Kohlmann, 24.4.2017
Ein rundum gelungener Abend.
Wenn man die Spielstätte betritt, hat man das Gefühl, einen Film zu betreten. […] Es ist wirklich bedrückend, zu sehen, wie aktuell diese Geschichte ist. [...] Die Performancegruppe weiß genau, was sie erzählen will: einmal die Vieldimensionalität des Films herausarbeiten und zum anderen unseren Umgang mit der Geschichte. Wenn Theater so funktioniert, ist das sehr gelungen.

Besetzung

MitOrhan Alallo, Luna Ali, Ladislav Ceki, Khater Dawa, Julia Dillmann, Haik Hakopian, Xolani Mdluli, Volker Neupert, Bernhard Schmidt-Hackenberg, Alexander Steindorf, Mitra Zarif-Kayvan
Mitarbeit RegieLuna Ali
Bühne und KostümJanina Audick
Mitarbeit Kostüm & BühnenbildassistenzFranziska Sauer
VideoSacha Benedetti
TheaterpädagogikMatin Soofipour

Dauer

1 Stunde, 30 Minuten — keine Pause