Fanny und Alexander Pressestimmen
Nachtkritik
26.5.2019
Die Inszenierung hat an anderer Stelle noch ein Leuchtfeuer aufzubieten: Wie die 32-jährige Lea Ruckpaul den zehnjährigen Alexander spielt, mit keckem Witz, Chuzpe und Charme, ist so verblüffend wie berückend. Ihre Stimme ist kräftig, nicht die eines Knaben, ihr leicht modifiziertes Aussehen aber geht ohne weiteres für das eines heranwachsenden Jungen durch, dem man zutraut, dass er dem verhassten Stiefvater die Stirn bietet und dass sein Widerstandsgeist buchstäblich nur mit Gewalt zu brechen ist. Das ist eine schauspielerische Sternstunde.
Hätte dieser Abend am Düsseldorfer Schauspielhaus die Welt erklärt, dann wäre unsere Welt eine Hölle. Allerdings eine Hölle, aus der man entkommen kann. [...] Es handelt sich um eine Theaterfamilie: Der tote Vater, der noch als (Hamlet-)Gespenst über die Bühne wandelt, war ein vermutlich schlechter Schauspieler und ein schwacher Mensch. Thomas Wittmann zeigt das prägnant in wenigen schlaffen Auftritten. Die Witwe, beeindruckend gespielt von Minna Wündrich, hat sich vielleicht nach einem Antipoden gesehnt, einem Mannsbild. Die Kinder – der Titel weist sie als die eigentlichen Hauptfiguren aus – in ihrer blühenden Fantasie, ihrem unbändigen Lebenswillen leiden, und die Mutter begreift es zu spät. 

Neue Rhein Zeitung
29.5.2019
Der Suggestion von Bergmans Bildwelten begegnet Kimmig mit ganzer Kraft und findet treffende Bilder für die existenziellen Nöte einer Familie, deren Welt aus den Fugen gerät. Als Mutter Emilie zeigt die starke Minna Wündrich ein schwer zu Herzen gehendes Spiel. Vom höchstem Glück bis zur bebenden Verzweiflung geht Emilies Reise ins Herz der Finsternis.
Dem Bergmannschen Ekel setzt [Christian] Erdmann eine weitaus weichere, heutigere Version dieser Figur entgegen. [...] Als vorzügliche Idee erweist es sich, den zehnjährigen Alexander von der immerhin schon 32-jährigen Lea Ruckpaul spielen zu lassen, der als bockiger Junge ein Meisterstück gelingt. Mit wieviel Witz und Charme sie den zornigen Sohn gibt: Das ist der größte Streich dieses Abends. Das Publikum im renovierten Schauspielhaus am Gründgens-Platz spendet herzlichen Beifall.

Rheinische Post
27.5.2019
Die neue Inszenierung am Schauspielhaus ist ein abendfüllendes, großes Ensemblestück. [...] Erdmann tritt auf mit einer Sanftheit, die Angst macht. Dem jungen Alexander will er als Erzieher seine Wahrheit eröffnen. Hinter Alexander steht die Schauspielerin Lea Ruckpaul. Allein ihrem faszinierenden Spiel zu folgen, lohnt schon den Besuch der Düsseldorfer Inszenierung. Ruckpaul verkörpert die von inneren Dämonen verfolgte, äußerlich noch sehr kindliche Figur geradezu vollkommen. [...] Das Ensemble ist gut aufgestellt. Minna Wündrich als Emilie eine an sich selbst verzweifelnde Mutter. Katrin Pfammatter spielt eine souveräne Theaterchefin, und Andreas Grothgar und Thiemo Schwarz agieren als Vertreter intellektueller Askese und praller Lebenslust. Und es gibt manch Skurriles. [...] Dann die vielen wunderbaren Szenen mit Tanz und Gesang, Hochzeit- und Weihnachtsfeiern. Langer Applaus nach der Premiere, vor allem für die wunderbare Lea Ruckpaul.

Besetzung

Helena Ekdahl, Witwe, ehem. SchauspielerinKarin Pfammatter
Oskar Ekdahl, ihr ältester Sohn, TheaterdirektorThomas Wittmann
Emilie Ekdahl, seine Frau, SchauspielerinMinna Wündrich
Amanda, 12 JahreJojo Rösler
Alexander, 10 JahreLea Ruckpaul
Fanny, 8 Jahre / Ismael, Neffe von Filip Landahl / Eva, ein Kind aus der Nachbarschaft / Pauline und Esmeralda, SpukgestaltenJohanna Kolberg
Carl Ekdahl, Professor, zweiter Sohn von HelenaAndreas Grothgar
Lydia Ekdahl, seine Frau / Blenda Vergérus, Mutter des BischofsCathleen Baumann
Gustav Adolf Ekdahl, Gastronom, dritter Sohn von Helena / Elsa Vergérus, Tante des BischofsThiemo Schwarz
Alma Ekdahl, Frau von Gustav Adolf / Henrietta Vergérus, Schwester des BischofsClaudia Hübbecker
Maj, Kindermädchen bei Emilie und Oskar / Justina, Dienstmädchen / Aron, Neffe von Filip LandahlTabea Bettin
Filip Landahl, 73 Jahre, Antiquar und SchauspielerWolfgang Reinbacher
Bischof Edvard VergérusChristian Erdmann
Bühne und VideoOliver Helf
KostümAnja Rabes
PuppenbauSimon Buchegger
LichtJean-Mario Bessière

Dauer

3 Stunden — eine Pause