Coriolan Pressestimmen
Frankfurter Allgemeine Zeitung
24.4.2019
Der beachtliche Witz der Aufführung ergibt sich indes weniger aus aktuellen Anspielungen als aus einer Studie zur Anthropologie der Politik, abgewonnen einem sperrigen Stoff. [...] Der Grobianismus dieses Abends ist das Resultat zirzensischer Präzisionsarbeit. Immer wieder gelingen Köhler schlagende Sinnbilder.

Nachtkritik
18.4.2019
Tilmann Köhler und sein reines Männerensemble trumpfen mit Shakespeares "Coriolan"-Drama in Düsseldorf auf – und machen das Spiel. Fabulös finster.
Ihre Manege im Düsseldorfer Schauspiel-Central ist eine im quadratischen Muster gekästelte Holzschachtel mit kreisrundem Loch. Acht agile Anarchisten des Gelächters treiben es darin radikal bunt: mit roten Nasen auf weißer Haut, mit dunkel geränderten Augen unter neongrellen Perücken und Glatzen, in karierten oder gestreiften Kleidern und Röcken. Ihr grinsender Narren-Look demoliert die Hack- und Rangordnung. [...] André Kaczmarczyk – viertelstarker Bengel von keckem Vorwitz – wattiert sich als Muskelmann. In dem komischen Männerdings namens Zweikampf schlägt er sich possenhaft mit der Waffe bunter Bänder, sich messend am geliebten Hassgegner Aufidius (Jonas Friedrich Leonhardi als rüder Punk-Irokese). Kein eherner Heros tritt auf, sondern ein Invalide hinkt in seine Konfettiparade. Dennoch flammt seine Rede, die sich gegen das affektiv Populistische richtet. All der Kinderkram enthält ein Geheimnis: das Paradies dieses Coriolan. Kaczmarczyk ist das konditionierte Kind, dem sein Nimmerland verloren ging, das erlöst sein will von den unlösbaren Banden der Herkunft und der Virilität. Der Verstoßene, entblößt seines Kostüms und seines Rollenzwangs und nun vielleicht frei, schreibt Shakespeares Sehnsuchtsorte an die Wand: Illyrien, Arden, Belmont – und das gegnerische Antium. [...] Der Fant Coriolan – Essenz des Individuellen, dessen Spott, Verächtlichkeit und Hassen sein Schicksal sind, unter dem er angetreten – sucht den Platz, an dem seine junge Seele sich ausbreiten kann. Für einen rührend tastenden Moment findet er ihn in der zärtlichen Begegnung mit Aufidius, wenn sie fast liebende Vermählung und den Identitätstausch vollziehen. Unheilbar krank daran, erwachsen zu sein, bleibt Coriolan im Dunkelgefunkel seiner Einsamkeit. Der Riss in der Figur erreicht uns.

Deutschlandfunk Kultur
18.4.2019
Der 400 Jahre alte Text, der sich mit einer noch einmal 2000 Jahre weiter zurückliegenden Zeit befasst, weist trotzt seiner so großen Entfernung immer wieder erstaunliche Parallelen zu heutigen Phänomenen auf. [...] Regisseur Tilmann Köhler gestaltet die Tragödie Shakespeares zu einer Farce um, die durchaus für Coriolanus Partei ergreift, der von der Dummheit des Volkes geplagt ist. Er findet pointierte Bilder für das Geschehen

Süddeutsche Zeitung
24.4.2019
Die Setzung geht furios auf, nicht zuletzt auch dank des ganzen eminent beweglichen und spielfreudigen Ensembles.
André Kaczmarczyk ist eine glänzende Besetzung für diesen an sich selbst scheiternden Ausnahmemenschen. Es gelingt ihm das seltene Kunststück, eine bei der Lektüre fast unverständliche, jedenfalls in hohem Maß befremdende Figur begreiflich zu machen. In weinroten Hotpants unter einer hellbraunen Bomberjacke (und seinerseits mit der unvermeidlichen Clownsnase ausstaffiert) präsentiert dieser Coriolan eine staunen machende Palette von Stolz, Nonchalance, Verachtung bis hin zu überraschender Sensibilität und Zerknirschung. Kaczmarczyk zeigt: Hier will sich einer um keinen Preis verbiegen, nur um ein Amt zu erlangen, für dessen Ausübung die Masse ihm dankbar sein müsste. [...]  Die Setzung geht furios auf, nicht zuletzt auch dank des ganzen eminent beweglichen und spielfreudigen Ensembles. Jonas Friedrich Leonhardi als Aufidius mit Hahnenkammfrisur ist eine bizarr camouflierte, raubtierhafte Figur. Markus Danzeisen gibt mit Perücke die herrliche Travestie von Coriolans Mutter, einer rabenartigen, kriegslüsternen Supermama. Am Ende zeigt sich: Shakespeare ist eben größer als jede Vorstellung davon, was auf einer Bühne zu erwarten ist.

WDR 5 Scala
18.4.2019
Die komplexe Tragödienhandlung rund um Ehre und Verrat, um Volkswillen und Elitedenken wird mit humoristischen Elementen kontrastiert. [...] Köhler bringt das selten gespielte Stück schlank und temporeich auf die Bühne. [...] Coriolan ist ein interessantes Stück, das viele erstaunliche Bezüge zur heutigen Zeit liefert.

Rheinische Post
19.4.2019
Ein absurdes Lehrstück über Macht und Populismus. [...] Tatsächlich sprüht Köhlers Inszenierung vor Witz und bösen Einfällen. [...] Das alles entfacht eine ungeheure Spiellust im Ensemble, das in Elisabethanischer Manier rein männlich besetzt ist. Jeder nutzt hier seine Auftritte für absurde Zwecke. Einer reißt den anderen mit. André Kaczmarczyk gibt als Coriolan eine glänzende Vorstellung als stolzer Held mit weichen Momenten. Mit heißer Inbrunst drückt er dem Volk seine Abscheu aus, ist nur im Kampf mit sich im Reinen. Jonas Friedrich Leonhardi ist als Aufidius ein ebenbürtiger Widersacher, ein Clown-Punk, dem es ebenfalls ums Raufen geht. Großartig auch alle anderen, Rainer Philippi als Gleichnis erzählender Senator-Clown, Markus Danzeisen als eiserne Kriegermutter. Rollen werden an- und abgelegt, Massen markiert, doch verliert das Spiel nie an Klarheit.
Doch trifft diese Inszenierung die Gegenwart ins Mark. Wie aktuell wirken Shakespeares mehr als 400 Jahre alten Worte über Macht und Manipulierbarkeit. Gerade weil Köhler das Stück mit Brechtschen Verfremdungsstrategien inszeniert, treten die Argumente für und wider Volksherrschaft so scharf zu Tage. Demokratie will geübt sein. Ein Volk, von dem die Macht ausgehen soll, muss lernen, sich gegen Populismus zu immunisieren. Es muss Verantwortung übernehmen. Doch laufen ja auch in unseren Tagen die Menschen den bösen Entertainern nach. Spülen Angst, Kränkung, Benachteiligung vielerorten die falschen Herrscher ins Amt. All das ist im Düsseldorfer „Coriolan“ zu besichtigen. Ein irrer Spaß. Wenn‘s nicht so ernst wäre.

Westdeutsche Zeitung
20.4.2019
Schrill, knallbunt, grotesk. [...] Schauspielerisch mehr als überzeugend. Viel Applaus.

Neue Rhein Zeitung
19.4.2019
Gekonnt aktualisiert. In seinem Düsseldorfer „Coriolan“, dessen Premiere am Freitagabend mit langem, langem Applaus und mit Jubel gefeiert wurde, gibt Regisseur Tilman Köhler dem hochpolitischen Stück mit der permanenten Clownsparade einen doppelten Boden.
Hier der hochbegabte Coriolan, der sein Kriegshandwerk überragend versteht, dort die Volkstribunen und Coriolans Einflüsterer Menenius Agrippa (Rainer Philippi glänzt als seniler Opportunist), die über genau jenes politische Gen verfügen, das dem ehrpusselig erzogenen Kriegskönner abgeht. Zum (un-)heimlichen, letztlich tragischen Helden dieser Inszenierung aber wird das Volk, das in glänzend einstudierter Choreografie über den Bühnenboden stampft, hoppelt, schleicht. Es ist jener „große Lümmel“, dem ein Heine einst „ein neues Lied, ein besseres Lied“ und „Zuckererbsen für jedermann“ verhieß. Es skandiert „Wir sind die Stadt“ und grölt wie die Fan-Horden aus dem Stadion „Auswärtssieg!“ und „O, wie ist das schön!“ Es trifft, manipuliert von den Tribunen (Sebastian Tessenow und Florian Lange sind zwei aasige, erschreckend erfolgreiche Intrigantenstadelspieler), die falschen Entscheidungen. Und es bietet, faul und feige wie es ist, Coriolan die Chance, sich als Held hervorzutun. [...] Und einmal mehr erweisen sich in Düsseldorf die üblen Beschränkungen der „Central“-Spielstätte als Kreativitäts-Turbo: Die Bühne von Karoly Risz besteht aus sandfarbenen Holzquadraten auf dem Boden, rechts, links, hinten und ist vollkommen leer. Eine Handvoll Requisiten wird ausreichen, die wirklichen Räume, Abgründe, Kulissen entstehen im Spiel des glänzend aufgelegten Ensembles. Die druckvoll, sparsam und äußerst effektvoll eingesetzte Maschinenmusik kommt wie ein Gruß von „Kraftwerk“ daher.

Theaterfischer.de
19.4.2019
Blendende Inszenierung [...] mit einem überragenden André Kaczmarczyk als Coriolan. Das Gesicht unter grellen Farben unkenntlich, die Kleidung eine Orgie von Stoffen und Farben. Ob Volk oder Herrscher, Tribun oder Feldherr – alle sind zur Unkenntlichkeit verwandelt.
Dahinter verstecken sie Gefühle und Gedanken, Brutalitäten und Verführbarkeit. Jederzeit bereit, die Meinung und Überzeugung zu wechseln. Ein überraschendes, ein verblüffend logisches Szenario, das Tilmann Köhlers ebenso mitreißende wie komisch-verrückte „Coriolan“– Inszenierung aus dem Theater-Alltag heraushebt [...] ein äußerst lebendiger Kommentar zum Heute. Dort wie hier ist die Demokratie in Gefahr, weil sie den Handelnden nur noch zu eigenen Zwecken dient. Und die Mär vom „Volk“, das seine Entscheidungen angeblich stets der Vernunft gemäß fällt, zerfetzt diese Inszenierung in der Luft. Mit faszinierend gelungenen Szenen. 

Literaturundfeuilleton.de
20.4.2019
Die krankhafte Verachtung, welche die Titelfigur gegen den Pöbel hegt, die dummdreisten Auseinandersetzungen zwischen den Tribunen Sicinius Velutus und Junius Brutus (virtuos verkörpert von Florian Lange und Sebastian Tessenow), die Wankelmütigkeit der Plebejer, aber auch der übermäßige Stolz siegreicher Schlachter: Diese Elemente werden gerade dadurch ernst genommen, dass man sie hier nicht zu ernst nimmt. [...]
Stiller und durchaus bewegend wird es dagegen, wenn Coriolanus alias André Kaczmarczyk spürbar mit sich und seinen Zornesausbrüchen ringt, sein offensichtlich verletzliches Inneres nach außen kehrt oder wenn er auf seine Mutter trifft. [...] Darüber hinaus sind aber auch die (politischen) Gegenwartsbezüge Tilmann Köhlers (Dramaturgie: Janine Ortiz) zu loben, die weder mit der Brechstange daherkommen noch zu gering ausfallen.

Besetzung

Caius Martius, später Coriolanus, Feldherr RomsAndré Kaczmarczyk
Cominius, Konsul und Oberster Feldherr RomsGlenn Goltz
Menenius Agrippa, Patrizier und Freund CoriolansRainer Philippi
Sicinius Velutus, VolkstribunFlorian Lange
Junius Brutus, VolkstribunSebastian Tessenow
Tullus Aufidius, Oberster Feldherr der VolskerJonas Friedrich Leonhardi
Volumnia, Coriolans MutterMarkus Danzeisen
Virgilia, Coriolans FrauThomas Kitsche
LichtChristian Schmidt
DramaturgieJanine Ortiz

Dauer

3 Stunden, 15 Minuten — eine Pause

Termine

Sa, 28.09. / 19:30 - 22:45
Im Schauspielhaus
http://www.dhaus.de/
D'haus - Düsseldorfer Schauspielhaus, Junges Schauspiel, Bürgerbühne
Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf

Coriolan

Schauspielhaus — Großes Haus
x

Karten & Preise

Preisgruppe Regulär Schüler/Studenten
Platzgruppe 1 49,00 € 8,00 €
Platzgruppe 2 45,00 € 8,00 €
Platzgruppe 3 36,00 € 8,00 €
Platzgruppe 4 25,00 € 8,00 €
Platzgruppe 5 14,00 € 8,00 €

So, 13.10. / 16:00 - 19:15
Im Schauspielhaus
http://www.dhaus.de/
D'haus - Düsseldorfer Schauspielhaus, Junges Schauspiel, Bürgerbühne
Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf

Coriolan

Schauspielhaus — Großes Haus
x

Karten & Preise

Preisgruppe Regulär Schüler/Studenten
Platzgruppe 1 49,00 € 8,00 €
Platzgruppe 2 45,00 € 8,00 €
Platzgruppe 3 36,00 € 8,00 €
Platzgruppe 4 25,00 € 8,00 €
Platzgruppe 5 14,00 € 8,00 €

Fr, 25.10. / 19:00 - 22:15
Im Schauspielhaus
http://www.dhaus.de/
D'haus - Düsseldorfer Schauspielhaus, Junges Schauspiel, Bürgerbühne
Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf

Coriolan

Schauspielhaus — Großes Haus
x

Karten & Preise

Preisgruppe Regulär Schüler/Studenten
Platzgruppe 1 49,00 € 8,00 €
Platzgruppe 2 45,00 € 8,00 €
Platzgruppe 3 36,00 € 8,00 €
Platzgruppe 4 25,00 € 8,00 €
Platzgruppe 5 14,00 € 8,00 €