Q-Tipp # 7 – Ameera Patel: Outside the lines

Aus dem Englischen von Jutta Himmelreich
Neuentdeckungen | Ausgrabungen | Lieblingsbücher. Die Quarantäne-Tipps der D’haus-Dramaturgie – Heute mit einem Beitrag von Kirstin Hess

Kommentare



Das könnte Sie auch interessieren

In seinem Q-Tipp für Kinder und Familien empfiehlt Dramaturg David Benjamin Brückel vom Jungen Schauspiel das Kinderbuch »Weißt du, wo die Tiere wohnen?« von Peter Wohlleben. Das Buch des Försters und Bestsellerautors ist für alle Naturentdecker*innen ab 6 Jahren.
Dieses Buch ist trotz seiner Fiktionalität und Zügen von magischem Realismus so gar nicht zur Realitätsflucht geeignet. Effia und Esi haben dieselbe Mutter, aber Leben, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ihre Geschichten beginnen im Ghana des 18. Jahrhunderts, wo Effias Stamm die Briten dabei unterstützt, den Sklavenhandel voranzutreiben. Effia wird mit einem Kolonialherren verheiratet und kann ein weitestgehend sicheres Leben als offizielle Zweitfrau in ihrer Heimat führen. Esi wird entführt, in einem Kerker an der Küste zusammen mit unzähligen anderen Afrikaner*innen eingesperrt und als Sklavin in die USA verkauft. Die beiden Schwestern werden sich niemals begegnen, die Leser*innen aber begleiten sie und ihre Nachkommen über acht Generationen bis in die USA der Gegenwart.
Die Leiterin des Café Eden, Veronika Gerhard, erinnert sich: Eines Tages gab mir der Autor, Journalist und Kurator Michael Götting am Theater Ballhaus Nauynstraße in Berlin, wo wir beide arbeiteten, eine frische Druckfahne seines neuen Buchs in die Hand. »Contrapunctus« ist ein Roman, den er schon 2002 geschrieben hatte, den er aber erst 2015 veröffentlichte. In »Contrapunctus« dreht sich die Handlung um das Leben von vier Schwarzen Deutschen im Berlin der Jahrtausendwende.
In den vergangenen sechs Monaten bildete »Afrokultur — der Raum zwischen gestern und morgen« die Grundlage für ein Theaterstück, das am 3. Mai im Rahmen eines ganztägigen M(a)y Festes zum 60. Geburtstag der ghanaisch-deutschen Dichterin, Logopädin und Aktivistin May Ayim Premiere feiern sollte. Entlang der Biografien der Schwarzen Aktivist*innen W.E.B. Du Bois, Audre Lorde und May Ayim bringt Natasha A. Kelly Schwarze deutsche Geschichte, Gegenwart und Zukunft in einen globalen Zusammenhang und benennt aus postkolonialer Beobachtungsperspektive die andauernde Kolonialität in deutschen Bildungs- und Kultureinrichtungen und setzt die Dekolonialisierung dieser für eine gemeinsame Zukunft voraus.
»Es gibt Situationen, in denen man einfach eine Auszeit braucht und sich in Träume flüchten möchte. Ich lese dann immer Neil Gaiman. Der englische Schriftsteller, der seit mehr als zwanzig Jahren in den Vereinigten Staaten lebt, wird gern als Fantasy-Autor bezeichnet, auch wenn die Bezeichnung recht kurz greift.« — Ein Beitrag von Janine Ortiz
»Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien« ist erstens von 2001 und zweitens alles auf einmal: Einer der großen deutschen Schelmenromane, ein gewaltiges Sittenbild, eine Sozialstudie, ein vor Humor und prallem Leben platzendes Meisterwerk – nicht zuletzt ist es sprachlich eine Wundertüte. — Beitrag von Robert Koall

Neuentdeckungen | Ausgrabungen | Lieblingsbücher. Die Quarantäne-Tipps der D’haus-Dramaturgie – Heute von David Brückel und den Werken des israelischen Autors Etgar Keret
Science Fiction zieht ihre Kraft immer aus der Extrapolation gegenwärtiger Trends in die Zukunft. Isaac Asimovs 1957 erschienener Roman »Die nackte Sonne« entstand als Reaktion auf die Explosion der Kommunikationstechnologie nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Siegeszug der Videotelefonie wird von Science-Fiction-Autor*innen schon seit hundert Jahren heraufbeschwört – nie im Leben hätte sich wohl Asimov denken lassen, dass es erst einer Seuche bedürfe, um der Technologie im 21. Jahrhundert zu ihrem durchschlagenden Erfolg zu verhelfen …
Als Q-Tipp #2 empfiehlt Dramaturgin Felicitas Zürcher »Inferno« von August Strindberg: »Zugegeben, der Titel ist nicht gerade das, was man sich unter Erbauung vorstellt. Was aber der schwedische Literat und bekannter wie bekennender Frauenhasser in seiner freiwilligen Isolation in Paris veranstaltet, ist wie ein Absinthrausch und nur bedingt nachahmenswert.« Strindbergs »Ein Traumspiel« in der Regie von Andreas Kriegenburg erlebte die Generalprobe am Tag vor dem Shutdown und wird später am D'haus zu sehen sein.
Ferdinand von Schirach hat ein Stück über Sterbehilfe geschrieben, das »Gott« heißt. Die Produktion probt derzeit virtuell. Im Logbuch berichten die Beteiligten von ihren Erfahrungen. Den Anfang macht der Dramaturg Frederik Tidén.​
Neuentdeckungen | Ausgrabungen | Lieblingsbücher. Die Quarantäne-Tipps der D’haus-Dramaturgie — Heute von Felicitas Zürcher